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Nahaufnahme: Mathilde Tijen Hansen

In der Rubrik Nahaufnahme sprechen Fotografen/-innen und Dozenten/-innen der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) über Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen. Diesmal haben wir die Fotografin und OKS-Studentin Mathilde Tijen Hansen darum gebeten, uns einen Einblick in die Entstehung ihres Fotos zu geben.

Ohne Titel, Foto: Mathilde Tijen Hansen

August 2019, zwei junge Frauen lehnen sich an einen Baum in der Sonnenallee. Ihre Blicke sind auf die/den Betrachter/-in gerichtet und schauen diese/n an. Einerseits offen, andererseits verschlossen stehen die beiden Frauen der/dem Betrachter/-in gegenüber und lassen eine spannungsreiche Situation entstehen, in der unklar bleibt, was zuvor geschah und was als nächstes passieren wird. Auf den Lippen zeigt sich kein Lächeln, nur die Stellung ihrer Brauen lässt eine Emotion erahnen. Ihre Haltung ist weder auffallend stolz noch ablehnend. Während die Schultern der linken Frau nach vorne einsacken, sind die der anderen Frau fast gänzlich hinter einem Baumstamm versteckt. Fast unscheinbar wirken die zwei jungen Frauen, wäre da nicht ihr fokussierter, fordernder Blick, der die/den Betrachter/-in förmlich zwingt in Beziehung mit ihnen zu treten.

Diese Fotografie ist Teil der Serie Sonnenallee, bei der sich Mathilde Tijen Hansen der Straße, in der sie wohnt und die über Berlin hinaus bekannt ist, fotografisch annähert. Es sind die Beziehungen zwischen den Menschen, ihr Auftreten im öffentlichen Raum und im Besonderen das Verhalten junger Frauen, für die sich Hansen in ihren fotografischen Arbeiten interessiert – diese Themen verdichten sich gerade auch in dem hier vorgestellten Bild.

Mathilde Tijen Hansen ist 1994 in Köln geboren und in Berlin aufgewachsen. Seit September 2017 studiert sie an der OKS. Sie lebt und arbeitet in Berlin.