Facebook

OKS-lab fragt…

In der Serie »OKS-lab fragt …« beantworten Dozenten, Fotografen, Macher und Absolventen der Ostkreuzschule Fragen zu ihrer Arbeit, ihrer Beziehung zur Fotografie und Lebensart.

Bei den endlosen Autofahrten kreuz und quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, den langen Tagen in leeren Hallen vor dem nächsten Auftritt, bis hin zum finalen Rausch auf der Bühne hat Nils Lucas die Band Faber fotografisch porträtiert.
Im Dezember 2018 erschien nun das Fotobuch »I fucking love my life«, das den Betrachter auf eine Reise schickt und einen Einblick in das Leben der Musiker gewährt.
Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit der Bildredakteurin Nina Straßgütl, die mithalf die Geschichte der Band mit Bildern zu erzählen.

Ein Gespräch mit: Nils Lucas und Nina Straßgütl

OKS-lab: Wart ihr beide auf der Ostkreuzschule? Wenn ja, wann?

Nina: Ja genau, ich habe im Februar 2018 meinen Abschluss als Bildredakteurin an der Ostkreuzschule gemacht.

Nils: Ich habe von 2016 bis 2018 an der Ostkreuzschule für Fotografie studiert.


Wie habt ihr euch kennengelernt?

Nina: Wir haben uns über das Weißensee-Projekt der Schule kennengelernt.

Nils: Das ist ein jährliches Projekt, das die Zusammenarbeit zwischen der Bildredaktionsklasse und der Foto-Fachklasse fördert. Jeder Bildredakteur bekommt einen Fotografen zugeteilt, um einen redaktionellen Auftragsjob in 24 Stunden inklusive Themenstellung, Briefing und unter Zeitdruck zu simulieren.

Nina: Und wir beide sind zusammen gekommen, weil deine dir zugeteilte Bildredakteurin für einen Auftrag in Indien war.

Nils: Ach ja, stimmt. Was für ein Zufall! Und danach haben wir uns noch auf einem Portfolio-Review getroffen und gemerkt, dass uns beide die gleichen Themen interessieren.


Wann habt ihr angefangen zu fotografieren bzw. euch mit der Fotografie auseinanderzusetzen?

Nina: Als Kind habe ich schon im Baumhaus unseres »Geheimclubs« meine Freunde mit einer Einweg-Kamera fotografiert. Daraus haben wir dann eine Art Zeitung gemacht. Da war ich vielleicht 9 Jahre alt. Aber das zählt wahrscheinlich nicht wirklich (lacht). Später habe ich dann die Canon AE1 meines Vaters mit auf eine Reise nach Marokko genommen: Da wusste ich, dass ich das machen will. Das war wie in einem Rausch.

Nils: So ein Erlebnis habe ich gar nicht.

Nina: Hat der Berufsberater nicht gesagt: »Nimm doch mal eine Kamera in die Hand?«

Nils: Ne, ich hatte immer schon eine Kamera, aber die habe ich zum knipsen benutzt wie es jeder mal gemacht hat. Das war mit 14 oder so. Da hab’ ich aber einfach Bilder gemacht, weil es Spaß gemacht hat. Damals habe ich sogar ein Bild auf Foto-Community hochgeladen. Das war eines der ersten Fotoforen, die es gab.

Ich bin dann nach dem Abitur für knapp 1 Jahr nach Neuseeland gegangen und habe mir für diese Zeit eine digitale Spiegelreflexkamera gekauft und echt viel fotografiert, aber das war auch noch nicht der Schlüsselmoment. Das lag wahrscheinlich vor allem daran, dass  ich diese Bilder wegen eines Festplattencrashs verloren habe. Vielleicht auch besser so, ich glaube die waren grausig.

Ich habe dann immer wieder während meines ersten Studiums fotografiert und mich dann eine Weile intensiver mit Bewegtbild beschäftigt. Erst habe ich meine eigenen Events/Partys gefilmt und darüber kleine Filmjobs bekommen. Daraufhin habe ich nach meinem Studium bei einer großen Werbefilmproduktion in Berlin gearbeitet und für die gedreht, geschnitten und produziert. Nach 2–3 Jahren, mit 26 oder so, habe ich bemerkt, dass das Bewegtbild doch nicht ganz mein Fall ist und habe mich endgültig der Fotografie gewidmet. Im Zuge dessen habe ich mich auch an der Ostkreuzschule beworben.

Wie entstand die Idee ein Buch über den Künstler Faber und seine Band zu machen? Warum habt ihr euch für das Medium Buch entschieden?

Nils: Wie so oft entscheide ich aus dem Bauch heraus. Das war auch hier so.

Ich habe in den letzten Jahren einen Großteil meiner fotografischen Zeit mit 2–3 verschiedenen Bands verbracht. Anfang 2018 habe ich mich gefragt, was ich mit dem gesammelten Archiv noch machen kann. Für mich kamen die Fotografien der Band Von Wegen Lisbeth und Faber, in Frage, da meine Archive dieser beiden Bands auch mit am umfangreichsten waren. Die Entscheidung für die Umsetzung in ein Buch fiel dann intuitiv. Ich wollte mich grob am klassischen Fotobuch-Konzept orientieren. Das war dann wohl ausschlaggebend, obwohl ich für Von Wegen Lisbeth mittlerweile auch eine Idee im Kopf habe, der aber eher ein experimentelleres Konzept zu Grunde liegt.

Warum das Medium Buch? Alles ist heutzutage nur noch digital. Damit geht ein Wertverlust der Bilder einher. Die Anschauungszeiten werden immer kürzer und ich finde, dass dies den Bildern nicht gerecht wird. Ein Buch trägt zur Entschleunigung bei und gibt den Bildern einen Rahmen, der es ermöglicht ein Gefühl zu vermitteln.

Nina: Auch wenn es im Digitalen spannende Möglichkeiten gibt, geht in dem digitalen Rauschen doch auch etwas verloren, hm?

Nils: Ja, ich wollte auch nicht, dass die einfach nur so durch Social Media flitzen und dann weg sind. Als ich die Band vor ein paar Jahren kennengelernt habe, waren die Bilder eben »nur« für die sozialen Medien und für weitere Direktvermarktung der Band gedacht.

Nina: Man setzt sich einfach auch noch mal in einer ganz anderen Intensität mit einem Projekt auseinander. Es zwingt einen zu einer anderen Art der Genauigkeit. Auch das ganze Drumherum, die Überlegung wie man diese Geschichte in Bildern erzählen will, die Reihenfolge und Größe der gewählten Motive, bis hin zur Auswahl des Papiers, die Captions, der erste Blick auf den Proof, das ist schon besonders.

Wie habt ihr beide euch zu diesem Projekt zusammengefunden?

Nina: Nach dem Weißensee-Projekt habe ich Nils Entwicklung weiter im Auge behalten. Bei dem Portfolio-Review der Schule haben wir uns wieder getroffen und haben dann für den Tag der offenen Tür, zusammen an dem Edit für die Ausstellung über die Band Von Wegen Lisbeth, »33 Tage«, gearbeitet. Dann habe ich ihn ermuntert eine Ausstellung auf dem Malzwiese Festival zu machen und habe den Kontakt dafür hergestellt. So haben sich unsere Wege irgendwie immer wieder getroffen.

Nils: Genau. Das war gut. Ich finde es total sinnvoll, wenn man die Chance hat mit Bildredakteuren zusammen zu arbeiten, diese auch zu nutzen. Bildredakteure sind ja meist ziemlich beschäftigt und wenn man dann auch noch merkt, dass man irgendwie gut zusammen passt, dann versucht man natürlich auch zusammen zu arbeiten. Für mich war das super inspirierend und erfahrungsreich.


Nils, warum hast du dir für dieses Projekt eine Bildredakteurin ins Boot geholt? Was denkst du sind die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit? (Ich kenne viele Fotografen, die alles komplett alleine machen.)

Nils: Wer es nicht ausprobiert, ist selber schuld (lacht). Na ja, vielleicht liegt es auch nur an Nina.

Wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, dann beginnt man irgendwann in tendenziöse Gedankenstrukturen zu verfallen. Sich von diesen zu lösen und wieder einen neutralen Blick zu bekommen ist schwer. Trifft man dann jemanden, der sich dafür interessiert, fotografische Expertise hat und mit dem man sich regelmäßig und gut über die Bilder austauschen kann, dann bringt das extrem viel. Das hat mir sehr viel offenbart. Das hat für mich auch bei einzelnen Bildern sehr viel gebracht, z.B. bei einzelnen Lieblingen, die für mich selber einen festen Platz im Buch haben. Und wenn Nina dann sagt, dass die doch raus müssen, dann tauscht man sich aus. Man denkt zwar anfangs immer, dass man sich am Ende natürlich mit seiner Meinung durchsetzt, aber dann wurde mir schnell klar, dass allein der Diskurs zwischen Nina und mir einzelne Fotografien, aber auch Herangehensweisen bzgl. des Buches zum Positiven verändert hat. Das hat schon sehr geholfen zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.

Nina: Ich glaube, dass es wichtig ist, Resonanz zu seiner Arbeit von einer Person zu bekommen, die eine Gewisse Außenperspektive einnimmt.

Nina: Als Fotograf ist man ja doch sehr stark verwoben mit seiner Arbeit und hängt an manchen Aufnahmen mit einer stärkeren Emotionalität. Der/die Bildredakteur/in sieht das von außen einfach cooler, da er eben von außen drauf schaut. So kann man sich und seine Arbeit gut spiegeln. Das muss schwer sein, das so alleine hinzubekommen. Der eine ist weiter weg und der andere näher dran.

Nils: Vor allem will man ja was erzählen. Man überlegt sich ein Konzept für das Buch und wenn man einen Austausch hat, merkt man erst welche Lieblingsbilder leider raus müssen, weil sie eben nicht in die Story passen. Ich hatte so viele Bilder, die ich drin gesehen habe und die raus geflogen sind. Letztlich fehlen sie mir nun nicht mehr, weil das Buch eben dafür total stimmig ist.

Wie ging die Aufgabenteilung vonstatten?

Nils: Das hat sich relativ natürlich ergeben.

Nina: Ja, ich würde es auch mehr als eine Zusammenarbeit, als eine Arbeitsteilung beschreiben. Was auf jeden Fall eine Stärke in der Zusammenarbeit war, ist dass wir uns beide auf den Anderen verlassen konnten, was Terminabsprachen, Deadlines, etc. anging. Das ist einfach gutes Arbeiten. Und auch das man in stressigen Zeiten (und die kommen in jedem Fall) einen kühlen Kopf bewahren muss und mit Freude an der Sache bleibt.

Nils: Da gehe ich 100 % mit. Am Anfang haben wir nur Bilder gesichtet, selektiert, dann wurde es immer dichter, das Sequencing hat angefangen und wir haben uns immer öfter getroffen, dann haben wir Luise mit ins Boot geholt, die sich um das Layout gekümmert hat. Irgendwie waren wir dann schon total eingespielt und wir hatten einfach einen guten Flow, auch zu dritt.


Wie wird das Buch produziert und ab wann kann man es käuflich erwerben? Und wird es einen Booklaunch geben?

Nils: Das Buch wurde bei der DZA – Druckerei zu Altenburg gedruckt. Das ist eine traditionsreiche Druckerei in Thüringen. Wir waren für die finale Druckabnahme vor Ort. Dort herrscht eine besondere Atmosphäre und man bekommt hautnah mit wie viel Arbeit in einer guten Buchproduktion steckt. Danach trauert man aber auch ein wenig, wenn man sieht, welchen Wertverlust Bücher in unserem digitalen Zeitalter heute erleiden. Alles andere mache ich in Eigenregie: Vermarktung, Vertrieb und Finanzierung.

Am 18.01.2019 ist der Book Launch in Berlin:

Wann? 18.01.2019 ab 18Uhr
Wo? Trude Ruth & Goldammer, Flughafenstraße 38

Nähere Informationen zu der Veranstaltung findet ihr auf Facebook. Das wird auf jeden Fall ein interessanter Abend.

Das Buch kann bereits über meine Webseite gekauft werden.

 

Vielen Dank an euch beide für das Gespräch und viel Erfolg mit dem Fotobuch und zukünftigen Projekten!