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OKS-lab fragt …

In der Serie «OKS-lab fragt …» beantworten Dozenten, Fotografen, Macher und Absolventen der Ostkreuzschule Fragen zu ihrer Arbeit, ihrer Beziehung zur Fotografie, zur Lebensart.

Eine Gesprächsrunde der Bildredakteurinnen Alena Siamionava und Annette Streicher mit den Gründern der Online-Plattform FOG, Studenten der Abschlussklasse 2014:  Roman Kutzowitz, Robert FunkeKevin FuchsJakob Ganslmeier

FOG-Gründer
Fotograf: Hugo Estrela

OKS: Was ist FOG und wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Roman: FOG ist eine Online-Plattform und ein Print-Magazin zur Präsentation dokumentarischer Arbeiten. Auf die Idee sind wir gekommen, weil ich nach einer Möglichkeit gesucht habe, eigene Arbeiten zu zeigen und auch andere Arbeiten zu präsentieren, die uns gefallen. Wir wollten zudem eine Struktur schaffen, in der es sich lohnt, zu arbeiten: Das heißt, dass eine gewisse Unabhängigkeit gegeben ist, dass die Arbeiten direkt über die Betrachter finanziert werden können – also im Endeffekt, dass man versucht, sich von klassischen Strukturen der großen Medien-Monopole loszulösen.

Und für was steht der Name FOG?
Roman: FOG steht für Nebel. Für ein Durchdringen der Realität, für eine Allgegenwärtigkeit. FOG ist für uns eher ein abstrakter Begriff. Der Untertitel „Documentaries Dispersed“, der Begriff der Verteilung, weist darauf hin, dass wir eigene Arbeiten zugänglich machen und andere Arbeiten unterstützen möchten.

Das ist eure Motivation?
Roman: Genau. Wir sind einerseits Produzenten, anderseits arbeiten wir für diese Plattform. Für uns alle ist die Ausgangsposition, dass wir etwas über die Realität erzählen, kommunizieren wollen. Dabei wollen wir Arbeiten in einer Form präsentieren, die wir selbst festlegen.

Wie hat sich die Idee entwickelt? Ihr habt euch ja über die Ostkreuzschule kennen gelernt, seid dann über FOG Freunde geworden…
Robert: Roman hat uns angesprochen, ob wir Interesse an der Idee hätten. Es hat sich dann mit der Zeit entwickelt und stark verändert.
Roman: Es fing so an: Wir hatten eine Ausstellung in Nordfrankreich. Und ich habe Kevin gefragt, ob wir morgens um 5 Uhr aufstehen, raus fahren und Bilder im Nebel machen. So entstand der Name FOG. Und als wir dann Nebel-Bilder gemacht haben, dachten wir: Das ist eine schöne Gründungs-Geschichte!

Oh, so romantisch hat es angefangen! Unerwartet bei so ambitionierten Plänen…
Alle lachen.

Wer ist denn die Zielgruppe von FOG?
Roman: Unsere Zielgruppe reicht von Bildredakteuren, Kulturinteressierten, Menschen in unserem Alter, die in Medienberufen arbeiten, bis hin zu Leuten, die sich mit den jeweiligen Themen intensiv beschäftigen. Zum Beispiel das Thema Menschenhandel auf der Sinai-Halbinsel: Da gibt es Mitarbeiter von NGO’s, Forscher, Soziologen, die sich mit dem Thema beschäftigen, für die FOG interessant sein und als Fundus dienen kann.

Soll die Plattform Fotografen wie bei anderen Online-Fotomagazinen oder Blogs auch als Zwischenschritt zu einer Print-Veröffentlichung dienen? Oder ist FOG in erster Linie ein unabhängiges Medium?
Jakob: Es ist ganz klar, dass wir nach Arbeiten suchen, die nicht auch auf anderen Seiten sind! Wir möchten neue Arbeiten zeigen.
Kevin: Wir sind keine Link-Schleuder, wo einfach Arbeiten weiter verbreitet, multipliziert und noch mal in anderer Form dargestellt werden. Nicht unser gesamter Content ist öffentlich und kostenlos. Wir richten uns an ein Publikum, das wirklich auch bereit ist, für hochwertigen Content etwas zu investieren. Ein Publikum, das an dokumentarischen Arbeiten interessiert ist und diese auch direkt fördern will.
Roman: Noch sind wir eine kleine Alternative für eine bessere Möglichkeit, Arbeiten zu zeigen – aber wir bieten eine Alternative! Um auf die Frage zurück zu kommen: Wir sind keine Agentur, wir haben auch nicht das Ziel, gesehen zu werden, um Arbeiten danach zu verkaufen. Das kann passieren, in einem gewissen Zeitabstand, ist aber nicht Sinn der Sache. Wir möchten uns nicht auf dieses passive Verhältnis einlassen. Wir sind alle Produzenten, die viel Recherche, viel Liebe in diese Arbeit stecken und möchten diese in einem angemessenen Rahmen präsentieren.

Was macht FOG so besonders? Angenommen, ich habe als Fotograf eine gute Geschichte – was spricht für eine Veröffentlichung bei FOG gegenüber anderen Online-Medien?
Roman: Was wirklich einzigartig ist, ist die Art der Inhalte und die Zeit, die rein geflossen ist, die Recherche und die Qualität der Arbeiten: Dass wir eine sehr kleine Auswahl an sehr guten Arbeiten haben, die mit großer Sorgfalt produziert wurden und gezeigt werden. Einzigartig ist außerdem, dass jeder Produzent absolute Mitsprache-Rechte bei der Präsentation der eigenen Arbeit hat. Das reicht von der Präsentation auf der Online-Plattform bis hin zum Layout des Magazins, was die Zusammenarbeit vielleicht nicht einfacher macht, aber fairer.
Jakob: Und wir bieten ein paar weitere Sachen: Im Vergleich zu anderen Webseiten bringen wir zusätzlich ein Print-Magazin heraus. Und machen damit ein schöneres, sehr viel dichteres Angebot im Vergleich zu einer schnellen Veröffentlichung.

 

 

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Wie entscheidet ihr, welche Arbeiten publiziert werden – und editiert ihr die Bilder dann gemeinsam mit den Fotografen?
Roman: Grundlage für den Entscheidungs- und Editierungsprozess ist, dass jeder ein Mitsprache-Recht hat – mit dem Ziel, fair zu sein und die Arbeit bestmöglich zu präsentieren. Das ist meistens eine sehr intensive Zusammenarbeit: Gemeinsames Anschauen von neuen Bildern, ausprobieren, über Layouts sprechen. Ein sehr zeitintensiver Prozess.
Kevin: Wir als Gruppe entscheiden, welche Arbeiten uns interessieren, welche wir vorstellen können. Beim Editierungsprozess setzt sich unser Kollektiv dann mit dem Autor zusammen.
Jakob: In erster Linie suchen wir schon nach dokumentarischen Arbeiten, das ist ein Kriterium. Aber innerhalb der dokumentarischen Herangehensweise können es ganz unterschiedliche Formen sein – von klassisch bis zu experimentell.

Gibt es thematische Schwerpunkte bei FOG? Müssen Themen sozialkritisch sein – oder hat eine gut umgesetzte lustige Geschichte auch eine Chance?
Roman: Es kommt ganz auf die Arbeit darauf an. Was wir suchen, sind sehr ausgefeilte, konzentrierte PositionenWir suchen Leute, die sich wirklich die Zeit genommen haben und die Kraft, ein Thema intensiv zu bearbeiten. Das ist das Wichtigste! Was ist an einer Foto-Serie oder in einem Film frisch, was ist daran interessant? Was bestärkt die Auseinandersetzung mit dem Thema? Was die Medienform angeht, ist es komplett offen: Es kann alles sein, von der interaktiven Doku über Multimedia, Fotoserien, Fotoessays usw. Es kann alles eingesendet werden, mit einem kurzen Konzept-Schreiben.
Robert: Letztendlich ist das Ziel der Internet-Plattform, Multimedia-Arbeiten zu präsentieren. Wenn jemand nur Bilder gemacht hat, reicht es nicht, nur die Bildstrecke online zu stellen, sondern das Thema sollte schon irgendwie aufgearbeitet sein und sich auf der Webseite entsprechend präsentieren lassen. Deswegen drucken wir auch zusätzlich das Magazin, in dem nicht nur Bilder gezeigt werden: Wir können auch Texte vorstellen.

Ihr habt ja auch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die gut angelaufen ist und über die man FOG tatkräftig unterstützen kann… Wie ist denn der Stand?
Jakob: Bis jetzt läuft das Crowdfunding sehr gut. Natürlich sind wir noch ziemlich unbekannt, es hat ja alles gerade erst angefangen. Aber wir suchen schon gezielt nach Arbeiten und bekommen Angebote – und wir haben schon einen Plan, was wir in den nächsten zwei bis drei Monaten auf der Internet-Seite publizieren möchten, wie auch einen Plan, was ins Magazin kommt.
Roman: Also, die nächste Ausgabe wird sehr spannend! Die erste ist soweit schon fertig. Es ist ein ziemlich aufregender Prozess!

Was könnt ihr uns denn schon vorab verraten?
Jakob: Wir haben eine Arbeit von einer brasilianischen Journalistin, die wir wahrscheinlich publizieren werden.
Roman: Und eine unveröffentlichte Arbeit von einem bekannten ostdeutschen Fotografen – der aber nicht mehr lebt. Die Arbeit ist aus seinem Nachlass.  Aber der Name bleibt noch geheim!

Wo wird man eure Printausgabe erwerben können?
Roman: Wir haben schon ein Vertriebssystem für Deutschland, Österreich und die Schweiz aufgebaut. Und man findet das Heft dann in ausgewählten Buchhandlungen in Berlin, „Do you read me?“, zum Beispiel. Alle Infos geben wir natürlich auch auf der FOG-Plattform bekannt.
Kevin: Wir sind ja übrigens auch nicht nur wir vier! Es gibt viele Leute in unserem Umfeld, die uns inspirieren, beeinflussen, mit denen wir auch diskutieren können.
Roman: Ein wichtiger Gedanke: Ohne unser Netzwerk sind wir nichts, also die Programmierer, Übersetzer, Grafiker, Hilfe bei der Druckvorstufe, Rechtsberatung… Es gibt ein riesiges Netzwerk von Helfern, die alle die Idee gut fanden und uns ehrenamtlich helfen.

Was wünscht ihr euch jetzt als Nächstes?
Roman: Wir wünschen uns viele Einsendungen! Wir wollen vor allem neue Arbeiten im Multimedia-Bereich sehen! Die Online-Plattform ist übrigens zweisprachig. Das Heft erscheint auf Englisch: Weil es eine viel größere Zielgruppe mit einschließt.

OKS: Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Beitrag ist eine Gemeinschaftsproduktion von Alena Siamionava und Annette Streicher.