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OKS-lab fragt…

In der Serie »OKS-lab fragt…« beantworten Dozenten, Fotografen, Macher und Absolventen im Rahmen der Ostkreuzschule für Fotografie Fragen zu ihrer Arbeit, ihrer Beziehung zur Fotografie und Lebensart.

Ein Gespräch mit: Andreas Trogisch, Fotograf, Grafikdesigner und Dozent für Buchgestaltung an der Ostkreuzschule.

Andreas Trogisch, Foto: Heike Grebin

OKS-lab: Andreas, Du bist ja Fotograf und Grafikdesigner und bietest jetzt dieses Seminar über Fotobuchgestaltung an…

Andreas Trogisch: Ja, ich bin Fotograf und Grafikdesigner von der Ausbildung her. Die beiden Bereiche liegen nah beieinander, teilweise sogar übereinander.

Natürlich fotografiere ich mit dem Wissen, das ich als Gestalter erworben habe. Und wenn ich Bücher gestalte, dann eben auch mit dem Wissen, das ich als Fotograf habe.

Das heißt, das Fotobuch kommt dir entgegen, weil es zwei von deinen Schwerpunkten vereint?

Es ist so, dass ich als Fotograf einen Weg suche, meine Bilder zu zeigen und in Form zu bringen, damit sie sich jemand ansehen kann als eine geschlossene Geschichte, so wie eine Ausstellung.

Und dass ich es von Berufswegen machen kann, das ist natürlich praktisch. Ich muss nicht jemand anderen meine Vorstellungen mitteilen, sondern ich kann das alles selbst realisieren.

Angefangen habe ich damit, weil es fast unmöglich ist eine Ausstellung zu bekommen, wenn man nichts in der Hand hat außer ein paar Bildern. Und das ist auch eine der Motivationen, die ich so vermitteln will, warum jemand ein Fotobuch machen sollte.

Dient es dann als Portfolio?

Man hat dann schon etwas in der Hand, was man jemand anderem geben kann und was ausdrücken kann – im Idealfall – was man für eine künstlerische Vorstellung hat, für ein Formverständnis, um eine Story zu erzählen. Das kann eine Eintrittskarte in die Szene sein.

Bücher haben nämlich den Vorteil, anders als eine Ausstellung, dass sie überall rumliegen können. Du kannst ein Buch irgendwo platzieren, jemanden geben, das liegt bei irgendjemanden auf dem Tisch… man muss zu einem Buch nicht hingehen. Ein Buch sucht sich einen Weg.

Wie kommst du jetzt dazu, ein Seminar über Fotobuchgestaltung zu halten?

Interessanterweise hat die tiefere Bekanntschaft mit den Mahlers über ein Buch stattgefunden. Dieses Buch war »Monalisen der Vorstädte« von Ute und Werner Mahler.

In diesem Buch sind Schwarzweiß-Portraits von jungen Frauen quer durch Europa und immer irgendwie in den Vorstädten fotografiert, also in Marzahn, Belfast und Reykjavik. Die Bilder haben immer den gleichen Aufbau: Ein Mädchen sitzt auf einem Stuhl und guckt gerade in die Kamera, der Hintergrund ist relativ hell. Davon gibt es ein Buch. Und genau das Buch habe ich gestaltet.

Es gab zu diesem Projekt auch Ausstellungen. Aber das Buch ist ein eigenständiges Werk geblieben. Es ist kein Katalog zu der Ausstellung geworden, sondern eher so, dass es bei der Buchpräsentation eine Ausstellung zum Buch gab. Es ist ein eigenes Werk. Das ist das Entscheidende dabei, dass ich eben keine Ausstellungskataloge mache.

Und weil die Mahlers das Buch »Monalisen« mit mir zusammen gemacht haben, kannten sie mich als Buchgestalter. Und dann haben sie auch meine eigenen Bücher gesehen, in denen ich meine eigenen Fotos präsentiere. Dadurch kam ich also auch als Fotograf auf den Radar.

Weil es eben diese Kombinationen gibt, – ich als Gestalter von Fotobüchern und selbst Herausgeber oder Autor von Fotobüchern – war das dann als Qualifikation offensichtlich. Ich bin von der OKS gefragt worden, ob ich ein Seminar über Fotobücher machen möchte.

Eine konkrete Frage zum Buch »Vineta«, was erst 2016 herauskam, obwohl die Bilder von 1985 und 1990 sind. Wie kam es so zeitverzögert zu diesem Buch?

Ich habe alle meine Bilder digitalisiert. Dadurch habe ich alle meine Bilder vor Augen, egal wie alt die sind. Beim Durchgehen der Bilder kristallisieren sich dann bestimmte Themen heraus. Und so war es auch bei diesem Projekt, wo zwei Serien ganz lange herumlagen. Ich hatte zuvor keine Zeit gehabt, diese zu bearbeiten, weil ich als Grafikdesigner gearbeitet habe oder noch studiert hatte.

Und die zweite Serie von 1990, die habe ich zwar noch in dem Gefühl gemacht, dass sich hier in Berlin alles extrem verändern wird und man bald nichts mehr wiedererkennen wird, aber ich habe dann keine Zeit mehr gehabt, diese in irgendeiner Weise zu verarbeiten, zum Beispiel zu einer Ausstellung oder zu einer Reportage oder zu einem Buch eben, sondern die sind einfach lange liegengeblieben.

Auszüge aus dem Buch »Vineta« von Andreas Trogisch

Das Buch »Vineta« hat ja eine ganz spezielle Struktur. Die Bilder sind nicht chronologisch angeordnet, sondern die Porträts sind von 1985 und die Stadtlandschaften von 1990. Wieso hast du dich entschieden, die beiden Serien zu mixen? Wie bist du auf diesen speziellen Aufbau gekommen?

Weil die beiden Serien eigentlich zwei Pole bilden. Einmal sind es nur Menschen und einmal sind es nur menschenleere Ansichten. Und ich fand beides wichtig, dass beides irgendwie zusammengehört.

Ich könnte mir zwar ein radikales Buch vorstellen nur mit diesen Stadtlandschaften, aber nur Porträts würden zu sehr für etwas anderes stehen. So fotografiere ich ihn schon lange nicht mehr. Und deswegen habe ich mich entschieden, die Stadtlandschaften zu den Porträts zu nehmen. Die Stadtlandschaften beinhalten dann das, wonach ich gesucht habe. Die zeigen die Richtung, in die ich gehen wollte oder ich dann später gegangen bin.

Deswegen war es mir wichtig, dass die beiden Serien zusammen sind. Ganz davon abgesehen, dass ein Buch natürlich so auch viel abwechslungsreicher wird, wenn man mehrere Stories ineinander verwebt.

Dadurch werden die Bilder von 1985 und 1990 zu einem…

Das ist ja dasselbe Land, dieselbe Stadt. Das passiert alles an denselben Stellen. Da liegen ja nur fünf Jahre dazwischen, fünf Jahre Entwicklung von mir, fünf Jahre Entwicklung der DDR.

Es ist ziemlich viel passiert in dieser Zeit und trotzdem gibt es eben immer noch den roten Faden, diese Verbindung, dass es in derselben Stadt, an derselben Stelle ist.

Ein interessanter Ansatz. Kannst du etwas über eines deiner anderen Fotobücher sagen?

Einen ähnlichen Ansatz habe ich in dem Buch »Replies« auch verfolgt.

Das Buch ist in einzelne Kapitel geteilt und jedes dieser einzelnen Kapitel ist eine eigene Story. Im Prinzip, als wären lauter verschiedene Fotografen am Werk gewesen und hätten verschiedene Themen – Mini-Serien – gemacht. Die Bildstrecken sind im Schnitt 12 Bilder lang und kreisen dann lose um irgendein Thema, das man gar nicht so richtig genau benennen kann. Dann gibt es einen Schnitt und dann geht einfach eine neue Story los.

Auszüge aus dem Buch »Replies« von Andreas Trogisch

Eine Frage noch mal konkret zu dem Seminar, was du jetzt geben wirst: Was werden deine Schwerpunkte sein?

Ich werde erst einmal mit ein paar Grundlagen anfangen, zum Beispiel: Wie ist ein Buch beschaffen?

Jeder denkt ja, er wüsste wie ein Buch funktioniert. Aber es ist gut, einen Überblick zu bekommen, damit man weiß, wie ein Fotobuch technisch funktioniert: Man hat den Umschlag, man hat den Buchblock, der ist in irgendeiner Art gebunden… Die Teilnehmer sollen lernen, welche Drucktechniken es gibt. Die Teilnehmer sollen ein Gefühl dafür bekommen, dass nicht alles geht, sondern dass man sich eigentlich in einer bestimmten technologischen Bahn oder Tradition bewegt. Wenn man die einigermaßen kennt, dann kann man da natürlich auch gerne ausbrechen.

Aber es gibt ein paar Sachen, die man überhaupt erst einmal wissen muss. So wie wenn jemand Auto fahren will, dem sagt man: Da ist die Straße, links und rechts der Bordstein und da vorne ist geradeaus und so weiter. Erst einmal eine ganz grobe Richtung geben.

Und es wird kleine Block-Vorträge geben. Beispiele werden gezeigt, Bücher mitgebracht. Ich werde auch Sachen aus der Druckproduktion mitbringen, also Druckbögen, Proofbögen, Beispiele für verschiedene Drucktechniken.

Wirst du dabei auf die Projekte der Teilnehmer eingehen?

Ja, es immer Gespräche über die Projekte geben. Jeder ist ja aufgefordert, fotografische Arbeiten, eine Serie oder irgendetwas zu haben, was er in eine Buchform bringen will.

Wir werden darüber reden, welche Formen dafür angemessen sind, was die Substanz dieser fotografischen Arbeit ist, und wie man dieser eine Form gibt. Wir sprechen darüber, wie so ein Buch aussehen kann. Ob es ein kleines Buch, ein großes Buch, ein dickes und dünnes Buch wird. Ob es eine ganz dicht erzählte Geschichte ist oder nur eine lose assoziierte.

Dann kommt der Schritt, wie man die Bilder in einem Layout platziert, wie man mit Schrift umgeht.

Ganz am Ende kommt der Umschlag. Die richtige Gestaltung passiert von innen nach außen und nicht von außen nach innen.

Ich werde natürlich, wenn es später in das Inhaltliche geht, auch Beispiele für verschiedene Typen von Fotobüchern zeigen. Zum Beispiel reine Ausstellungskataloge, Text-Bildbände, Bücher, die stimmte Themen verfolgen, aber ebenso freie künstlerische Arbeiten, um die Bandbreite zu zeigen von dem was möglich ist und was alles auch schon gemacht worden ist. Das ist ganz wichtig.

Was sind die Voraussetzungen, um diesen Kurs zu machen?

Eine Anforderung ist, dass man eine eigene Arbeit mitbringt, aus der man ein Fotobuch-Dummy machen möchte. Das heißt, dieser Kurs ist besonders interessant für Leute, die Ihre eigene Serie in ein eigenes Buch bringen möchten.

Hauptsache es ist ein bisschen was da an Substanz, an Bildern, mit denen man arbeiten kann. Das heisst also: Bildmaterial muss vorhanden sein.

Zusammengefasst heißt das, dass du vom Allgemeinen kommst, dann stellst du in Vorträgen ein bisschen etwas vor, erzählst etwas von Drucktechnik und dann geht es auch ins Inhaltliche. Du zeigst verschiedene Fotobücher und währenddessen tastet man sich so langsam heran, um aus seinen eigenen Bildern ein Fotobuch zu machen. Ziel ist es, dass jeder am Ende des Seminars seinen eigenen Fotobuch-Dummy gestaltet haben sollte. 

Das Tolle ist ja, dass so etwas heutzutage auch wirklich machbar ist.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Andreas Trogischs Karriere als Fotograf begann in den 1980er Jahren. Seitdem wurden seine fotografischen Arbeiten vielfach in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Lyon, Berlin und Köln ausgestellt. Seine Fotoserien hat er in mehreren Fotobüchern veröffentlicht. Im Jahr 2014 veröffentlichte er »Replies«, das mehrfach zu den besten Fotobüchern des Jahres gezählt wurde.

Studienbeginn des Wochenendseminars »Buchgestaltung« ist am 22.09.2018, bewerben kann man sich hierfür noch bis zum 31.7.2018.

Link zum Kurs