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Eine Kollektion für Gott – Teil I

Dieses Jahr gab es für die Studierenden der Abschlussklasse an der Ostkreuzschule für Fotografie wieder die Gelegenheit am Workshop für Angewandte Modefotografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein teilzunehmen. Wir zeigen einige Bilder aus den entstandenen Fotoserien.

Eine Woche lang erarbeiteten die Fotografen/-innen unter der Leitung von Prof. Ute Mahler fotografische Konzepte rund um die Kollektionen der Modedesign-Studenten/-innen. Mode und Fotografie inspirieren und beeinflussen sich gegenseitig und sie gehen im Dialog miteinander einher. Zum Schluß setzt der Fotograf zwei Visionen, seine eigene und die des Designers, zu einem gemeinsamen Werk zusammen.

Unter dem Titel »Eine Kollektion für Gott« standen die Themen Glaube und Religion im Mittelpunkt der Kollektionen. Die Semesterarbeiten aus dem zweiten bis vierten Studienjahr sollten sich einerseits mit individuellen Glaubensbekenntnissen befassen und andererseits die gesellschaftliche Rolle von Glaube und Religion in einem von Rationalität geprägten Zeitalter hinterfragen.

Projekt: Jannis Wegener, Foto: Claudia Bühler

Claudia Bühler fotografierte das interaktive Theaterstück TRANSFER von Jannis Wegener. Für seine Bachelor-Arbeit hat Jannis das gesamte Projekt im Alleingang entworfen, geplant und durchgeführt. Es ging darum, vier ganz unterschiedliche Menschen aus Halle und ihre Geschichten für ein öffentliches Publikum zugänglich zu machen und so die Interaktion zwischen Darstellern und Besuchern zu fördern. Claudia hat die letzte Aufführung in den gemieteten Räumlichkeiten am Marktplatz dokumentiert, die vier Darsteller im Gespräch und ihre nachgebauten Wohnzimmer mit einer digitalen Collagen-Technik fotografiert. »Für mich als Neuling auf dem Gebiet der Modefotografie war es außerdem sehr interessant, in die fremde Welt des Conceptual Fashion Designs reinzuschnuppern«, sagt Claudia.

Kollektion: Pascal Konradi, Foto: Bastian Thiery

Bastian Thiery fotografierte die Kollektion SALOMONIS des Designers Pascal Konradi. Die Kollektion ist von Okkultismus und Esoterik inspiriert, so ist jedes Outfit einer Tarotkarte zugeordnet. Bei der Konzeption hat sich Thiery an Film Stills von Horror- und Mystikfilmen aus den 1970er und 80er Jahren orientiert und sich eine Geschichte überlegt, die er dann visualisiert hat. Die Geschichte orientiert sich lose an einer Figur, die zwischen Gut und Böse, irgendwie in einem Zwischenzustand hin und her schwankt. Ihm war es wichtig mit Farben und Farbkontrasten einen Zusammenhang zwischen den Bildern herzustellen.

Kollektion: Rachel Schramm, Foto: Milena Villalón

Milena Villalón fotografierte die Kleider von Rachel Schramm, die sich von Candomblé, einer afrobrasilianischen Religion, für ihre Kollektion hat inspirieren lassen. Für Milena war das Modeshooting eine intensive Erfahrung und es war für sie interessant zu beobachten, wie viele Aspekte darin involviert sind: der Designer, die Location, die Deadline, das Konzept und die Philosophie der Marke und dass der Fotograf am Ende zwei Visionen zu einem Werk zusammensetzt. »Ich lernte schnell zu arbeiten, mit Stress umzugehen, da alles unklar zu sein scheint, bis es fertig ist, und die Idee hinter dem Designer zu verstehen, der versucht, sich mit meiner Sichtweise zu verbinden«, erklärt Milena.

Kollektion: Emelina Michels, Foto: Natascha Hamel und Patricia Marosan

Natascha Hamel und Patricia Morosan beschlossen gemeinsam ein Fotografinnen-Team zu bilden und zusammen zwei Kollektionen zu fotografieren. »Das war vor allem mit dem begrenzten Zeitfenster eine gewisse Herausforderung, aber durch die gegenseitige Unterstützung hat uns das keine größeren Probleme bereitet«, erzählt Natascha. Die Kollektionen waren sehr unterschiedlich voneinander – auf der einen Seite Adrian Stoicas siebenteilige Kollektion von aufwendigen und symbolisch aufgeladenen Kleidern und auf der anderen Seite die bunte Taschen-Kollektion von Emelina Michels. Für die Taschen, die Michels entworfen hat, haben die beiden Fotografinnen sich an der Idee vom Sommerurlaub orientiert und an der Projektion, die damit verbunden ist. Sie hatten dafür nur im Atelier fotografiert und mit einzelnen Elementen, die an den Sommer erinnern, Stillleben fotografiert. Für Natascha war es »eine schöne Erfahrung zu sehen, dass es durchaus möglich ist mit zwei unterschiedlichen fotografischen Stilen zwei harmonische Serien zu gestalten.«

Kollektion: Adrian Stoica, Foto: Patricia Morosan und Natascha Hamel

Zusammen mit Natascha Hammel hat Patricia Morosan auch die Modekollektion von Adrian Stoica fotografiert. Bei Stoica war das übergreifende Thema »das tödliche Kleid«. Seine sieben Kleidungsstücke haben die beiden Fotografinnen als psychologische Zustände gesehen, die Besitz von Körper und Psyche nehmen und diejenige, die es trägt, in eine Parallelwelt zwischen Traum und Albtraum führen. »Die Geschichten der Kleider bauen sich in der Fotografie dramaturgisch auf; bis zu dem Punkt, wo die Psyche der Person, die das Kleid trägt, ihren Weg in den Abgrund findet«, erläutert Patricia. Sie hatten für jede einzelne Szene kleine Räume aufgebaut, die auf eine imaginäre und mentale Verfassung hinweisen sollten.

Beitragsbild: Bastian Thiery