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Nahaufnahme

In der Rubrik Nahaufnahme sprechen Fotografen/-innen und Dozenten/-innen der Ostkreuzschule über Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen. Diesmal haben wir den Fotografen und OKS-Studenten Henry Balaszeskul gebeten, uns einen Einblick in die Entstehung seines Fotos zu geben.

Henry Balaszeskul

Foto: Henry Balaszeskul

Einige bekannte Fotografen des Straßen-Genre leben und arbeiten in New York, wie z.B. Joel Meyerowitz, Bruce Gilden oder Jeff Mermelstein. New York ist somit für mich ein Sinnbild für Freiheit und Verwirklichung, für ein glückliches und erfülltes Leben. Jeden Tag dort fotografieren zu können, ist und bleibt für mich ein Lebensziel. Realistisch gesehen lag so eine Reise für mich immer in weiter Ferne und wurde wie so vieles verschoben auf den zukünftig perfekten Zeitpunkt.

Zu Anfang des Orientierungssemesters war ich fest entschlossen, ein Thema auf der Straße zu finden. Viel Zeit verbrachte ich auf den Straßen Berlins, hatte täglich neue Ideen und Themen, verwarf diese aber eben so schnell wieder.

Gegen Februar 2016 entstand der immer größer werdende Wunsch, doch endlich eine New York-Serie im Rahmen der Abschlussarbeit zu verwirklichen. Dann ging alles ganz schnell. Ich reaktivierte über Twitter und Facebook einen verwandtschaftlich etwas vernachlässigten Kontakt in New York. Dadurch erhielt ich, ehe ich es realisieren konnte, so viel Hilfe von verschiedenen Seiten, dass ich nach wenigen Wochen Flug, Unterkunft und Finanzielles vollständig geklärt hatte. Knapp einen Monat später war ich auch schon vor Ort.

Die ersten Tage waren zu ereignisreich um zu fotografieren. Ich atmete die Umgebung förmlich ein und sah mich erst am dritten Tag in der Lage, ernsthaft zu fotografieren.

Es war mein letzter Tag, ein sonniger Mittwochmorgen. Ich hatte gerade mein Frühstück bei einer großen amerikanischen Kaffeekette aus Seattle beendet und war von der West 53rd Street unterwegs zum Times Square und lief dann die 42nd Street Richtung Bryant Park. Ich war schon etwas müde und wartete am Zebrastreifen auf das Signal der Ampel. Als ich beinahe die andere Straßenseite erreicht hatte, lief da dieser Mann, in einem Outfit, das meine Aufmerksamkeit sofort auf sich zog. Dieser Kontrast. So viele schwarze Punkte auf dem weißen Hemd und noch dazu der passende Hut.  Sofort war ich wieder wach und schob den Sucher vor mein Auge. Ich machte das Bild. Dann ging ich weiter, ganze zehn Stunden noch an diesem Tag.

Nach langem Hin und Her und vielen Gesprächen mit verschieden Dozenten habe ich mich doch gegen das Thema Straße für die Abschlussarbeit entschieden, da der Arbeitsprozess ein ganz anderer ist. Das New York-Thema interessiert mich sehr, jedoch ist es zeitlich und finanziell einfach nicht in einem Jahr realisierbar.

Ein nächster New York-Aufenthalt, noch in diesem Jahr, ist aber bereits gebucht.

Zurück in Berlin, etwa einen Monat nach der Reise, veröffentlichte ich das Bild bei Instagram unter anderen mit dem Hashtag „FedEx“, da ein großer Transporter der Firma im Hintergrund gut sichtbar zu sehen ist. Wenige Stunden später, meldete sich das Unternehmen bei mir und wollte das Bild auf ihrer eigenen Instagram-Seite veröffentlichen. Und nachdem ich wiederum dieses Ereignis auf Facebook teilte, meldete sich der OKS-Blog bei mir. Die sozialen Medien haben sich für mich bei dieser Reise von Beginn an bis zum Schluss wieder einmal als sehr nützlich erwiesen.

http://www.49mm.ch

Henry Balaszeskul  wurde 1993 in Rheinfelden geboren. Seit 2013 studiert er an der Ostkreuzschule für Fotografie bei Sibylle Fendt. Er lebt und arbeitet als Fotograf in Basel und Berlin.