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OKS-lab fragt…

In der Serie «OKS-lab fragt … » beantworten Dozenten, Fotografen und Macher der Ostkreuzschule Fragen zu ihrer Arbeit, ihrer Beziehung zur Fotografie, zur Lebensart.

Berlin boomt. Die Zahl der Zugezogenen aus aller Welt zeugt von der Beliebtheit der Hauptstadt. Was macht Berlin zum Sehnsuchtsort vieler Künstler und Kreativer? OKS-lab fragt bei einer Fotostudentin aus Italien nach.

Ein Gespräch mit:

Francesca La Franca, Foto-Studentin an der Ostkreuzschule

Die Foto-Studentin Francesca La Franca lebt seit vier Jahren in Berlin.

Die Foto-Studentin Francesca La Franca lebt seit vier Jahren in Berlin.

OKS: Francesca, wo bist Du geboren?
Francesca La Franca: Im Frühling 1989 wurde ich in Italien geboren, genauer gesagt, in Palermo.

Seit wann lebst Du in Berlin?
An einem Sonntag im Januar 2010 habe ich mit einer italienischen Familie, die damals in Berlin gewohnt hat, Kontakt aufgenommen. Sie haben mir ein günstiges Zimmer in ihrer Wohnung für einen Monat angeboten. Also habe ich am gleichen Tag ein One-Way Ticket gebucht. Zwei Wochen später habe ich ein paar Sachen in meinen Rucksack gepackt und bin dann nach Berlin gezogen. Seitdem sind vier Jahre vergangen.

Wie sind die Ausbildungsmöglichkeiten in Italien? Gibt es eine bekannte Foto-Schule?
Ich war 19 Jahre alt, als ich mein Abitur abgeschlossen hatte. In diesem Alter hatte ich viele Ideen und den Traum, sie umzusetzen. Ich entschied mich für ein Studium der Visuellen Kommunikation an der Akademie der Künste in Palermo.
Ich brauchte nur wenige Monate, um zu verstehen, wie ineffektiv das italienische Hochschulsystem ist. Mein Land war schon von der Krise überschattet und der Verfall des Bildungswesens hatte schon begonnen. Es gab nicht genügend Kapital, und falls es das gegeben hätte, wäre damit bestimmt nicht die Kultur gefördert worden. Unter diesen Umständen sorgte ich mich, dass diese Strukturen mir die Möglichkeit nehmen könnten, meine angestrebte künstlerische Identität zu entwickeln. Daraufhin entschloss ich mich, wegzugehen.

Warum hast Du Dich für Berlin entschieden? Was macht die Stadt so besonders?
Bis zum Zeitpunkt der Entscheidung hatte ich lediglich viele „Unsicherheiten“ gesammelt. Ich musste einen neuen Weg von Beginn an gehen, und um das zu tun, musste ich mich in eine völlig neue Realität projizieren. In diesen Monaten unterhielt ich mich über meine Absichten mit einigen Freunden, und mehr als einmal wurde mir Berlin als Ziel vorgeschlagen. Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich war älter, in Deutschland, und ich war glücklich. Sofort machte ich mich auf den Weg, um mir selbst ein Bild zu machen. Heute bin ich froh, meinem Unterbewusstsein vertraut zu haben. In Berlin konnte ich mich präsentieren als das, was ich kann. Ich konnte meine Ideen konkretisieren und sie vortragen, ohne auf Feindseligkeit oder Vorurteile zu stoßen. Ich fand mich wieder in einer lebendigen künstlerischen Szene. Hier kann man ohne Schwierigkeiten Platz finden, um seine Projekte zu entwickeln und sich dem Anderen zu stellen. Es gibt Austausch und die Möglichkeiten zusammenzuarbeiten. Vor allem aber habe ich gelernt, von den Ergebnissen zu lernen, seien sie positiv oder negativ.

Was sind Deine Schwerpunkte in der Fotografie (Reportage, Porträt, Mode, etc…)?
Ich fotografiere schon mehrere Jahre und ich finde es immer noch schwer, mir meine Fotografie als Teil einer definierten Kategorie vorzustellen. Was klar ist, ist, dass zwischen mir, der Kamera und dem Subjekt ein starker emotionaler Faktor besteht. Diesen Faktor zweidimensional zu gestalten, ist eine große Herausforderung. In den letzten Jahren hat mich vor allem die analoge Fotografie gereizt. Dadurch hat sich meine verträumte Art der Betrachtung zu einer bewussteren Beobachtung der Dinge entwickelt. Ich habe in Schwarzweiß die ideale Dimension gefunden, um meine Motive darzustellen. Das Ziel, meine Fotografie betreffend, kommt mir eine Anekdote in den Sinn: Als ich ein Kind war, erzählte mir meine Mutter manchmal Geschichten. Manchmal waren sie erfunden. Oft bat sie mich, das Ende selbst zu erfinden. So stellte ich mir die Orte, die Charaktere und deren Beziehungen vor. Ich fragte mich was das Richtige wäre und was passieren sollte. Von meiner Vorstellung geleitet, erfand ich ein Ende. In gewisser Weise versuche ich mit den Fotografien dasselbe zu tun, was meine Mutter tat. Ich erzähle Geschichten, wahr oder nicht, von Orten, Dingen und Leuten. Ich halte die Zeit an und forme einen anderen Raum. Ich hoffe, wer auch immer meine Bilder betrachtet, sich Fragen stellt, innehält, um zu reflektieren oder sich in Träumen verliert.

Vermisst Du etwas aus deinem Land?
Aus Sizilien vermisse ich den Vollmond an einem Abend im August, die Ansicht des Meeres vom Hafen, den warmen Wind des Schirokko, das Wanken der angeleinten Boote, das seichte Wiegen des Wassers am Kai.

Foto: Francesca La Franca

Foto: Francesca La Franca

Francesca La Franca studiert an der Ostkreuzschule seit 2012 bei Werner Mahler und Sybille Fendt.