Exposed: Martha Roschmann

Julia Otto aus der Bildredaktionsklasse 2023/2024 der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) – im Gespräch mit der Fotografin und OKS-Studentin Martha Roschmann über ihr fotografisches und künstlerisches Schaffen.

Wovon handelt deine Serie Whispers of home?

Die Serie handelt von einem Ort, der sich für mich wie zu Hause anfühlt, an dem ich aber nie gewohnt habe. Ich befasse mich mit dem niedersächischen Heimatdorf meines Vaters und meiner dort lebenden Familie. In der Arbeit erforsche ich die Gefühle, die ich empfinde, während ich an diesem Ort bin. 

Was sind deine Beweggründe? 

Ich habe mich schon immer sehr zu diesem Ort hingezogen gefühlt und dort als Kind viel Zeit verbracht. Es fasziniert mich wie eine Straße, die ins Dorf führt, einem das Gefühl von Nostalgie und Geborgenheit geben kann. Seit einigen Jahren versuche ich dieses Gefühl zu erforschen und fotografisch festzuhalten. Auf diese Weise kann ich mich damit auseinandersetzen, wie es wäre, dort zu leben und die eigene Jugend zu verbringen. Mich interessiert meine Beziehung zu diesem Ort. Einerseits fühle ich mich sehr verbunden, andererseits bin ich fremd. Genau diese Gegensätzlichkeit erzeugt eine ganz besondere Anziehung. 

Wie ist deine fotografische Herangehensweise? 

Da es in diesem Projekt vor allem um eine Stimmung geht, plane ich im Voraus nicht viel und lasse mich auf den Moment ein. Oft laufe ich durch den Ort oder verbringe Zeit mit meiner Familie, die ein wichtiger Teil dieser Arbeit ist. Ich fotografiere hauptsächlich meine Geschwister, Cousins und Cousinen, die als Kinder mit mir hingefahren sind und dadurch einen ähnlichen Bezug zum Ort haben wie ich. Meistens sind es gerade die Momente der Stille und Langeweile, die für das Porträtieren interessant sind. Wir gehen an die Stellen, an denen wir als Kinder viel Zeit verbracht haben, entdecken aber auch neue Orte. Mit der Zeit hat sich eine bestimmte Bildsprache für dieses Projekt entwickelt. Ich nutze Landschaften, Tiere und Menschen, um Gefühle zu übermitteln.

Welches ist dein Schlüsselbild der Serie und warum?

Ein Schlüsselbild für mich ist das Foto, auf dem sich ein Junge an einem Fußballtor festhält. Es beschreibt für mich sehr viel von dem, was ich gerne in der gesamten Arbeit zeigen möchte. Dieses Gefühl der Einkehr und Langeweile, Nostalgie und Leere, Nähe und Distanz, die alle gleichzeitig bestehen. 

Vielleicht ist dir noch etwas wichtig zu sagen, was ich nicht gefragt habe?

Ich möchte die Serie gerne noch einige Zeit weiterführen und so meine, sich eventuell verändernde, Beziehung zum Ort und den Menschen festhalten. 

Vielen Dank für die Einblicke in diese sehr persönliche Arbeit! Ich bin gespannt, wie sich die Serie weiterentwickelt und freue mich darauf, dich beim Stammtisch wiederzusehen.

Martha Roschmann ist 2002 in Berlin geboren und sowohl dort, als auch in Brüssel aufgewachsen. Seit 2021 studiert sie an der Ostkreuzschule für Fotografie. 

Julia Otto ist seit 2005 als freie Fotografin in Berlin und drumherum tätig und studiert Bildredaktion an der Ostkreuzschule für Fotografie.

Autor