Fiktion: „Utopie“ von Eduardo Galeano

In der Reihe Fiktion erarbeitet die Basisklasse der OKS in Zusammenarbeit mit der Bildredaktionsklasse über den Sommer Fotoserien. Wir zeigen die Fotografien von Clara Sartor und Gerd Waliszewski, die sich im Sommer 2021 mit dem Gedicht Utopie von Eduardo Galeano fotografisch auseinandergesetzt haben.

Die Utopie sie steht am Horizont.
Ich bewege mich zwei Schritte auf sie zu
und sie entfernt sich um zwei Schritte.
Ich mache weitere 10 Schritte
und sie entfernt sich um 10 Schritte.
Wofür ist sie also da, die Utopie?
Dafür ist sie da:
um zu gehen!

Mein Sommer auf Korsika kam dem traumähnlichen Zustand einer Utopie so nah wie kaum ein anderer. Alles schien von Licht durchflutet, irgendwie leichter, irgendwie unendlich. Ich war Besucher in einer Ewigkeit, die abseits von allem, unabhängig vom Schicksal der restlichen Menschheit bestand und auf deren Existenz meine Anwesenheit keinen Einfluss nahm.”

Fotos: Clara Sartor

Clara Sartor, 2000 in Landshut geboren, besuchte von 2014–2018 die Hochschule für Musik und Theater in München. Seit 2020 studiert sie an der Ostkreuzschule für Fotografie und ist momentan Teil der Fachklasse unter der Leitung von Tobias Kruse. Ihr fotografisches Interesse liegt vor allem bei Menschen, Landschaften und dem Einfangen von Stimmungen.

„Die Utopie, wie sie in dem Gedicht von Eduardo Galeano beschrieben wird, ist eine, die man nie erreichen kann, aber die Hoffnung auf ihre Existenz als Antrieb dient. Für mich gibt es eine Personengruppe, einen Ort und eine Emotion, die diese Utopie am besten verkörpern: es ist die Jugend, die in jedem Wunsch und jeder Hoffnung, frei von verkrusteten Lebenserfahrungen, ihre Träume anstrebt. Es ist die „Platte”, die das präsenteste Überbleibsel eines Systems ist, welches die Utopie als Staatsform angestrebt hat. Und schließlich ist es die uneingeschränkte Freiheit, die zwar Freude, aber auch nostalgische Sorgen um Vergangenheit und Zukunft mit sich trägt.”

Gerd Waliszewski, geboren 1996 in den USA, ist in Polen und Deutschland aufgewachsen. Seit dem Frühjahr 2021 studiert er an der Ostkreuzschule in der Klasse von Jörg Brüggemann. In seiner Fotografie arbeitet er mit dokumentarischem Ansatz und interessiert sich für dessen vage Grenze zur Fiktion.