Upload: Download – die Macht der Digitalität

Was bedeutet Digitalität eigentlich für euch, für euer Arbeitsfeld, euren Freundeskreis und euer Umfeld im Kleinen? Für die Gesellschaft, Globalisierung und Weltpolitik im Großen? Die Bildredaktionsklasse 2020/21 hat dazu aufgerufen, Download – Die Macht der Digitalität in der Kategorie Upload fotografisch zu interpretieren.

Digitalität ist die Verbindung von Mensch und Technik, die Verschränkung von digitalen und analogen Wirklichkeiten. Visuell schwer abzubilden und trotzdem allgegenwärtig. Wie wird Digitalität sichtbar?

Aus der Serie Command, Shift, Four, Fotos: Eli Eichler (Bob Jones)

Command, Shift, Four ist eine Arbeit, die seit dem Lockdown im März fortlaufend entsteht. Als Künstler*innen-Kollektiv veranstalteten wir gleich zu Beginn der Pandemie eine Reihe von Online-Performances. Die Zuschauenden porträtierte ich am Computer. Mich interessierte die Interaktion von Material und Mensch in der digitalen Begegnung. Diese zeigte sich kontemplativ und verletzlich, was sich in den Gesichtern ebenso wie in der Imperfektion des verpixelten Bildes und des unvollkommenen Abzugs widerspiegelt. Die zunehmende Digitalisierung und die damit verbundene Beschleunigung und Verkomplexisierung unserer gegenwärtigen Gesellschaft stehen in der Serie thematisch im Kontrast zu dem neu erfahrenen Stillstand des Lockdowns, der sich für mich auch in den langen Umwandlungs- und Rückwandlungsprozessen zum analogen Druck manifestierte.”

Foto: David Wittenburg

David Wittenburg zeigt mit diesem Bild, wie unverzichtbar und selbstverständlich das Digitale mittlerweile auch im Bereich der Medizin ist: “Tod oder Leben – manchmal entscheiden nur noch Maschinen und Computer über Leben und Tod.”

Aus der Serie Mehr als ein halbes Jahrhundert, Fotos: Marisa Reichert

“Obwohl das Digitale so sehr mit unserem Alltag verflochten und selbstverständlich geworden ist, bleibt es nur schwer greifbar. Mir wird die Digitalisierung unserer Welt meist bewusst, wenn ich mich mit Vergangenem konfrontiert sehe. Im Haus meiner verstorbenen Großeltern, voll mit Dingen aus über einem halben Jahrhundert, konnte ich auf Zeitreise gehen. Ich fand mich zwischen haufenweise Akten und Briefen, Kassettenplayer und analogem Telefon wieder, an deren Stelle heute digitale Daten, E-Mails, Streaming-Dienste oder Smartphones getreten sind.”
Das Beitragsbild dieses Artikels ist auch Teil der Serie Mehr als ein halbes Jahrhundert von Marisa Reichert.

Aus der Serie Retina, Fotos: Michael Broschmann

“Digitalität schien schon immer ein Ventil gewesen zu sein, aus einer gegenwärtigen physischen und materiellen Realität zu flüchten und in eine Simulation einzutauchen, die flexibel und veränderbar scheint. Was auf der einen Seite natürlich auch vorteilig ist für Kommunikation und Recherche, bleibt auf der anderen Seite jedoch immer eine gezielte Illusion und erlaubt durch ihre Flexibilität das Eigenleben absurder Fantasiewelten. Aus dieser eigenen Realität entstehen Rückkopplungseffekte in das neue Hyperreale des Alltäglichen.”

Fotos: Franziska Kempgen

Das Abstrakte der Digitalität spiegelt sich in den Fotos von Franziska Kempgen. Wir sehen Alltägliches und zugleich kommen Assoziationen zu Datenströmen, Pixel, Copy-Paste, Empfang und Stream. 

New Religion, Foto: Patricia Haas

Die Manifestation des Digitalen ist für viele das Handy, unser ständiger Begleiter und Helfer, das Erste was wir morgens in die Hand nehmen und das Letzte was wir aus selbiger legen, bevor es wieder ins Land der Träume geht.

Foto: Amelie Koerbs

“So richtig schätzen gelernt habe ich die Digitalität erst, als ich das erste Mal für eine längere Zeit von meiner Familie und Freunden getrennt war. Durch Skype oder Facetime habe ich die Möglichkeit, sie immer noch regelmäßig zu sehen und mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Sowas ist selbstverständlich geworden und gehört genauso zu meinem Alltag, wie eine Verabredung zum Eis essen oder ins Kino gehen. Trotzdem ist ein Treffen über Skype/Facetime für mich immer ein Treffen irgendwo in dem Dazwischen. Ich kann es nicht richtig greifen, verstehe manchmal nicht ganz wie es die Technik möglich macht und manchmal habe ich Zweifel an der Echtheit.”

Wir bedanken uns bei den beteiligten Fotograf*innen Eli Eichler (Bob Jones)David Wittenburg, Marisa Reichert, Michael Broschmann, Franziska Kempgen, Patricia Haas und Amelie Koerbs.

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