OKS-lab fragt… Bastian Thiery

In der Serie “OKS-lab fragt…” beantworten Dozent*innen, Fotograf*innen, Macher*innen und Absolvent*innen der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) Fragen zu ihrer Arbeit, ihrer Beziehung zur Fotografie und Lebensart.

Aus der Serie MA 1AA

Gillian Henn aus der aktuellen OKS-Bildredaktionsklasse sprach mit dem Fotograf Bastian Thiery über seine Anfänge, über Perspektivwechsel und darüber, was ihn motiviert und demotiviert.

Gillian Henn (GH): Bastian, würdest Du Dich uns kurz vorstellen?

Bastian Thiery (BT): Ja gern. Ich heiße Bastian Thiery, bin in Rheinland-Pfalz geboren, und bin 30 Jahre alt. Seit 10 Jahren lebe ich in Berlin, mit einer kleinen Unterbrechung, einem Jahr NY, in dem ich auch angefangen habe zu fotografieren. Nach der Realschule habe ich eigentlich eine Ausbildung als Chemikant gemacht, und bin danach, mit 20, nach Berlin gezogen. Um meinen Zivildienst zu machen, aber eigentlich, weil ich keine Lust auf die Fabrikarbeit hatte.

GH: Wie kam das, die Ausbildung zum Chemikant? Und wie genau kamst Du dann auf die Idee zu fotografieren?

BT: Das war bei mir in der Region einfach der größte Arbeitgeber, die BASF. Ich hatte nicht den besten Realschulabschluss, also waren meine Möglichkeiten auch beschränkt. Mir war es sehr wichtig, auf eigenen Beinen stehen zu können, dennoch war recht schnell klar, dass es ein sehr limitierter Job für mich ist. In dieser Zeit habe ich mein Fachabi nachgeholt, und wollte in Berlin nach dem Zivi Soziale Arbeit studieren. Um mein Praktikum für das Fachabi zu finanzieren, habe ich angefangen zu modeln. Das lief dann so gut, dass ich doch keine Soziale Arbeit studiert habe. Durch das Modeln war ich öfter in NY, und während eines Aufenthalts fing ich an, zu fotografieren und die Bilder auf Instagram zu posten. Wie man das damals so machte, mit Filter und allem. Meine Eltern haben das verfolgt, woraufhin mir mein Vater eine alte, analoge Kamera schenkte.
Ich hatte viel Zeit und hab dort fotografiert. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass da was ist, dass ich mich damit irgendwie ausdrücken kann. 

GH: Was für eine Kamera genau schenkte Dir Dein Vater? 

BT: Eine Nikon F3. Mein Vater ist Biologielehrer, und hatte die Kamera benutzt, um Makroaufnahmen von Insekten zu machen. Und dann hatte ich damals einen Bekannten in NY, der bei der NY Times staff photographer war. Der hatte mir empfohlen, beim ICP mal einen Workshop zu machen. Das war super. Der Titel damals war: Documentary Photography, Passsion, Purpose oder so ähnlich. Einen Basis-Dokumentarfotografiekurs, in dem es viel um die eigene Rolle als Fotograf ging, um die Motivation, zu fotografieren. Der Dozent hieß Andre Lambertson, ein Pulitzer-Preis-Gewinner, das war wirklich interessant. Der Workshop ging ein halbes Jahr, und schließlich kam ich übers ICP an die Ostkreuzschule, durch das gemeinsame Abschlussprojekt. Nach dem Workshop beschloss ich, nach Berlin zu gehen.

GH: Warum hast Du nicht am ICP studiert? 

BT: Beruflich lief es doch nicht so gut wie erwartet, die Aussicht war, noch einen weiteren Job annehmen zu müssen, wie Kellnern, um mir das alles leisten zu können. Da hatte ich dann das Gefühl, gar nicht mehr zum Fotografieren kommen zu können.

GH: Ging es da um die Studiengebühren oder um das Leben in NY?

BT
: Beides, die Gebühren sind schon recht hoch, ca. 13.000 Dollar pro Jahr, natürlich ohne Material etc. Dazu das Leben in NY. 

GH: Wie ist das eigentlich im Vergleich an der OKS?

BT
: Die Studiengebühren an der OKS haben damals ca. 3500€ gekostet. 
Dazu habe ich aber auch Berlin vermisst und war in NY nicht ganz angekommen. Letzten Endes bin ich dann zurück nach Berlin gezogen, hatte bis zum Studienanfang noch 8 – 9 Monate Zeit, hab mein Abitur nachgeholt, aus welchem Grund auch immer, dann das Studium an der OKS gemacht, und bin jetzt seit zwei Jahren fertig.

GH: Das Bewerbungsprozedere – wie lief das damals? 

BT: Ich hatte das Portfolio mit meinen Straßenfotos aus New York, und einer Reportage, die ich da gemacht hab. Etwas klischeemäßig – ich hatte einen deutschen Obdachlosen kennengelernt, den ich dort begleitet hatte. Dann gab es noch eine Aufgabe – wir sollten innerhalb von zwei Wochen eine Serie zum Thema “Kälte” fotografieren. Ich erinnere mich an das Bewerbungsgespräch dann mit Ludwig Rauch, der in meiner Arbeit wenig Zusammenhang zum Thema finden konnte. Das war ihm dann zu subjektiv. Ich denke, die NY Bilder waren ausschlaggebender. 

GH: Kannst Du die zwei Perspektiven – Fotografie in NY am ICP und in Berlin an der OKS zu studieren, sowie junger Fotograf in diesen Städten zu sein, mal beschreiben?

BT:
Eine interessante Frage. Einmal ist NYC natürlich DIE Fotografiestadt. Einmal das Business, aber auch die Stadt als Kulisse. Sie ist so fotogen, und man erinnert Filme, Bücher und Fotos an jeder Straßenecke. Unser Bildgedächtnis beinhaltet NY, jede zweite Straßenecke ist ikonisch. Das ist in Berlin nicht so. Wenn man viel auf der Straße fotografiert, viel Menschen fotografiert, dann ist auch die Mentalität der Amerikaner ganz anders als in Deutschland. 

GH: Inwiefern? 

BT:
Jeder läuft in NY mit einer Kamera rum, jeder zweite ist auch Tourist. Die Leute sind outgoing, extravagant, haben Spaß und Interesse, sich zu präsentieren, wohingegen die Deutschen eine Gefahr wittern, wenn jemand mit einer Kamera rumrennt. Eine tief verwurzelte Angst vor Repression oder denunziert zu werden. Die ist total verwurzelt, egal ob im Osten oder Westen. Das ist ein sehr großer Unterschied, finde ich.
Ja und ICP und OKS sind einerseits recht ähnlich, und dann wieder gar nicht. Ich war zwar nicht so lang da, aber das ICP ist viel kommerzieller, professioneller strukturiert, die OKS dahingegen viel familiärer und freier. Hier ist gar nicht so der Anspruch da, Geld zu verdienen, sondern eher Fotografie zu vermitteln und sich auszuprobieren. Beim ICP gibt es zig Workshops, wenn man etwas benutzen will, muss man entweder zahlen, oder arbeitet dann dementsprechend an der Geräteausgabe oder Reinigung beispielsweise. Ich glaube auch für die Arbeiten, die produziert werden, da ist beim ICP wahrscheinlich ein höherer Druck, eine fotojournalistische Arbeit abzuliefern, die wirklich Gewicht hat, allein schon wegen der Geschichte der Schule. Und an der OKS ist das ja sehr unterschiedlich, es darf mehr ausprobiert werden, es ist freier und man darf subjektiver arbeiten. Erstmal darf man machen, worauf man Lust hat.

GH: Druck. Wie ist das, als junger Fotograf und Student an einer Schule mit fotojournalistischem Hintergrund – spielen Wettbewerbe, Preise, Bücher, Ausstellungen eine große Rolle? Es gibt ja manchmal Youngsters unter den Studenten, die da schon viel erreichen. Herrscht da großer Druck?

BT: Es wird einem schon so ein bisschen vorgelebt, in der Bubble, in der man im Studium an der OKS lebt. Man bleibt so ein bisschen untereinander, befindet sich in einem bestimmten Kosmos während der Zeit. Und was in dem Kosmos relevant ist, ist in einem anderen vielleicht völlig irrelevant. Diese Preise, von denen Du jetzt sprichst, sind für jemanden, der sich als Künstler definiert, irrelevant. Für jemanden, der Mode macht, auch. Für mich, ich habe auch ein paar Preise gewonnen, oder war auf der Shortlist, das finde ich auch super, besonders wenn es Geld gibt. Aber ich glaube, dass es für meine Arbeit nicht wirklich relevant ist, solche Preise zu gewinnen. Ich glaub, man kann sich darauf versteifen, bekommt da total viel Wertschätzung, kann aber trotzdem nicht von der Fotografie leben. Auf den Abschlussjahrgängen liegt aber schon ein großer Druck. Die Ausstellung, die Party, die Sichtung. Für mich war das megawichtig, die Arbeit gut zu zeigen, aber ich hab es auch geliebt, an dieser Arbeit zu arbeiten. Für mich war auch von Anfang an klar, dass ich ein Buch machen werden. Dass es eine Sequenz haben wird, dass es nicht ‘ne Arbeit für die Wand ist. Aber ich finde auch, dass nicht jede Arbeit ein Buch sein muss.

Aus der Serie Humpelfuchs

GH: Erzähl doch mal etwas über Dein Buch Humpelfuchs.

BT: Ich hab ja nur eine Miniauflage gemacht, 150 Exemplare, davon verkaufte oder verkaufe ich 135. Letzten Endes habe ich das Buch mit einem Designer zusammen gemacht. Den Edit habe ich mit ihm und meiner damaligen Freundin erarbeitet. Wir sind zu einer Druckerei, haben das Buch produzieren lassen, und dann hab ich den Vertrieb selbst gemacht. Den Vertrieb selbst zu machen, hat mir zum Beispiel viel mehr Wertschätzung gegeben, als Shortlistawards, die ich damit gewonnen habe. Ich war zum Beispiel in London, bei der Photographers Gallery, die haben fünf Exemplare in ihr Sortiment aufgenommen. Oder letztens hat mir ein Freund ein Foto geschickt, dass es da noch in der Favorites-Ecke steht. Sowas freut mich total.

GH: Was für ein Druckverfahren habt Ihr verwendet, und wo habt Ihr gedruckt?

BT: Digitaldruck, also Indigo, bei der Druckerei Hehnemann. Ich war auch sehr happy mit denen. Ich war so unter Stress und hatte keine objektive Sicht mehr auf das Buch. Ich war beim Druck dabei und hatte das Gefühl, alle Farben sind falsch, alles ist falsch, und ich bekomme 150 schlechte Bücher geliefert. Ich konnte gar nichts mehr beurteilen. Aber es war eigentlich total schön, an einem Buch zu arbeiten, und das möchte ich bald auch wieder tun. Am Ende wurde alles gut.

Humpelfuchs
Aus der Serie Humpelfuchs
Aus der Serie Humpelfuchs

GH: Wie definierst Du für Dich Erfolg?

BT: Die Momente, in denen ich mich erfolgreich gefühlt hab, in meiner jungen Karriere, sind die, in denen ich Resonanz bekomme von Menschen, die ich schätze. Kurz nach meiner Abschlussausstellung war ich in London, bei Connor Donlon, ehemaliger Assistent von Wolfgang Tillmanns, der heute einen Fotobuchladen in Hackney hat. Ist so eine Fotobuchkoriphäe. Heute hat er nur noch so Esobücher, politische Esobücher, der ist auch ein bisschen abgefahren. Den hab ich überredet, mein Fotobuch anzuschauen, was er dann auch drei Mal gemacht hat. Und er meinte, dass es eines der besten Fotobücher ist, die er in letzter Zeit gesehen hat. Das war für mich eine Megabestätigung, das von so jemandem zu hören. Auch wenn er es nicht in sein Sortiment genommen hat. Ja, Resonanz, Gesehenwerden, Bestätigung von Leuten, die man schätzt, das gibt mir Wertschätzung.

GH: Wie stehst Du zu Social Media? 

BT: Sehr ambivalent, auch weil ich merke, welch negative Auswirkungen es auf mich selber hat. Man ist ja nicht immer nur selbstsicher oder hoch motiviert. Manchmal ist man unsicher. Und dann geht man auf Instagram, und hat den Eindruck, alle sind super erfolgreich, machen was Cooles, und ich finde dann zieht es total runter. Gleichzeitig kann man auch viel Inspirierendes entdecken. Es gleicht sich aber auch so vieles so schnell an, und schon wird der nächste Trend durchs Dorf getrieben. Aber ich hab für mich bemerkt, dass wenn ich nicht so motiviert bin zu fotografieren, dann schau ich mir ein Fotobuch an, das ich mag – da gibt es ein paar, bei denen ich mir danach denk, ich geh jetzt raus und mach Fotos, ich muss das einfach machen. Die Welt ist so verrückt und abgefahren, die Bücher inspirieren mich dann dazu. Auf der Couch zu liegen und Instagram durchzuscrollen, hat einen gegenteiligen Effekt. Gleichzeitig nutze ich Instagram auch für Bilder, die sonst erstmal nirgendwo ihren Platz haben, eine Art Moodboard und auch Visitenkarte, wie andere Fotografen auch. Und ich freu mich auch, wenn jemand auf meine Webseite oder den Insta-Account geht und sich meine Bilder anschaut. Natürlich. Ambivalent eben. 

Afrikanisches Viertel für King Kong Garcon

GH: Deine Vergangenheit als Model – wie gehst Du damit um, und wie wird das in der Welt der Dokumentarfotografie aufgenommen?

BT:
Ja, das ist auf jeden Fall ein wunder Punkt. Das kommt vor allem durch das Denken – was ist ein richtiger Job, was ist ein legitimer Job. Als Model liegt Deine Leistung ja nicht darin, acht Stunden am Set zu stehen, sondern vielmehr darin, dass ich die Rechte an meinem Bild verkaufe. Das ist ja die Transaktion. Das passt oft gar nicht in die Vorstellung von Beruf und anerkennbarem Beruf. Fotografie ist erstmal meine Leidenschaft, und das was ich bis zum Ende meines Lebens machen will. Und das steht dann schon im Konflikt mit dem Modeln. Das Klischee vom Model ist, dass es dumm ist, oder auch das Klischee “Ah, der ist Model und fotografiert auch.” Ich glaube, da ist meine eigene Unsicherheit größer als das Urteil von anderen. 

GH: Aber wurdest Du damit schonmal konkret konfrontiert?

BT: Nein, nicht direkt. Vielleicht, dass Leute das amüsant finden oder nicht so ernst nehmen, das eine oder das andere, aber dem kann ich dann schon auch entgegenwirken. Aber ja, es bleibt auch hier ambivalent. Ich konnte mir durch das Modeln das Studium finanzieren, und kann mir auch jetzt noch damit viel Freiheit finanzieren. Ich würde vielleicht auch nicht fotografieren, wenn ich nicht als Model gearbeitet hätte – ich habe in der Zeit natürlich viel gesehen und konnte viel lernen. Die Erfahrung selber fotografiert zu werden, hat mir schon geholfen, auch andere zu fotografieren. Ich hänge es einfach ungern an die große Glocke, weil es für viele Menschen so exotisch ist. Entweder sehen sie dann nur das Model, tun es als was Lachhaftes ab oder sind noch interessierter. Aber eigentlich möchte ich gar keine dieser Reaktionen. 

Max Mara for 10Magazine

GH: Kommt es für Dich in Frage, Modefotograf zu sein?

BT: Also ich finde Modefotografie total spannend, und ich fotografiere morgen zum Beispiel für ein Schmucklabel, mit Styling usw., aber ich hab Schwierigkeiten mit dem Modebusiness. Weil, um Modefotograf zu sein, musst Du auch dieses Business wollen. Den Smalltalk, die Events, diese Grüppchenbildung, die Darstellung. Ich hatte mich schon auch gefragt, ob das nicht auch die logische Konsequenz wär, so während des Studiums, aber ich hab für mich gemerkt, dass ich als Fotograf an der Realität interessiert bin. Nicht unbedingt, um diese abzubilden, aber um mich an dieser zu bedienen. Wenn man das in Mode übersetzen kann, dann will ich vielleicht auch Mode fotografieren. Die Inszenierung in der Mode finde ich superspannend, und ich habe Lust drauf, das weiter zu erforschen, aber es muss ein Elemnet da sein, so ein Impuls aus der Realität, den ich aufgreifen kann. Den finde ich in einem cleanen Studio schwer. Oder auch ein junges Model, das gar nicht genau weiß, was es da macht, oder wenn es Klamotten gibt, die so egal sind – da hab ich nicht viel Lust drauf. Echte Menschen, echte Locations, das liegt mir noch mehr. Die Grenzüberschreitung finde ich aber schon spannend. Die Charaktere, die ich auf der Straße fotografiere, da ist schon auch modisches dabei. 

GH: Das Paket des Modebusinesses, von dem Du sprichst, ist dies nicht das Gleiche in Grün als Fotojournalist?

BT: Ja, dasselbe in Grün ist es auf jeden Fall. Aber es funktioniert vielleicht doch nochmal anders. Es ist ja auch recht logisch, dass die Modefotografie so funktioniert, und eine Gruppe braucht und sich abgrenzen muss, vielleicht. Das ist in der Dokumentarfotografie ja gar nicht so. Ich mach meine Arbeit, und gerade bei so persönlichen Projekten wie einem Buch, dann ist das meine Arbeit, meine Sicht. Klar kann ich das nicht komplett allein machen, aber es ist erstmal etwas, wofür ich stehe, da muss ich mir keine Gruppe schaffen, um das machen zu können. Von der ganzen Businessseite ist es natürlich das Gleiche in grün, nur vielleicht von den Charakteren etwas anders..

GH: Wie sieht es auf dem Agenturmarkt für Dich aus?

BT: Ja das ist auch eine interessante Frage, ich hab da auch grad mit ‘nem Freund drüber gesprochen, der bei einer Agentur gesigned wurde. Ich find Fotografenagenturen total wichtig, aber weiß nicht so recht, wo ich reinpassen würde? Meine Traumagentur wär eine, wo es natürlich auch um das kommerzielle Arbeiten geht, aber wo künstlerische Projekte auch gefördert werden. Ich weiß nicht, ob es immer noch so ist, aber zum Beispiel bei Webber, die haben ja auch diesen Ausstellungsraum, und die persönlichen Arbeiten der Fotografen bekommen den gleichen oder sogar noch größeren Raum als die kommerziellen. Auch für Kunden fänd ich das superspannend.

GH: Wie steht es um den Austausch, den Diskurs, den eine Agentur wie OSTKREUZ natürlich sehr hat?

BT: Ich finde die Idee von OSTKREUZ spannend und inspirierend. Besonders was die klassische Reportageausrichtung angeht, gibt es denke ich nichts vergleichbares. Auch dieser Ansatz, sich in einer Gruppe mit einer gemeinsamen Realität oder Erfahrung auseinanderzusetzen, wie bei der aktuellen Ausstellung zu Europa.  Zwei Jahre nach dem Studium fehlt mir schon die Konversation in einer Gruppe. Mit einigen ehemaligen Studenten habe ich noch recht engen Kontakt, wie beispielsweise mit Yana Wernicke und Jonas Feige. Es gibt ja auch einige Communities, so wie mit dem Fototreff Berlin oder OSTKREUZ als Anlaufstelle, etc., die die Möglichkeit bieten sich auszutauschen.

Arte-Kampagne, Film: Bastian Thiery

GH: Nun möchte ich noch wissen, wie es zu der Zusammenarbeit mit Arte kam.

BT:
Für die ARTE Re: Kampagne habe ich mit der Werbeagentur KesselsKramer aus Amsterdam zusammengearbeitet. Die Bildthemen standen schon fest, meine Aufgabe war es, eine Produktion zu finden. Es gab ein paar Wochen Vorbereitung, Produktion und Casting, als klar wurde, während Corona dass es doch möglich sein wird trotz Coronakrise zu shooten. Es kam ein bisschen aus dem Nichts, aber die Anfrage kam überraschend und es war eine total tolle Erfahrung, weil es ein großer Job, eine große Kampagne war, was ich eigentlich bisher nur von der anderen Seite kannte. Charaktere zu finden und zu inszenieren, das zieht mich an und das hat war spannend bei an dem Job total gut geklappt. 

Arte-Kampagne
Arte-Kampagne


GH: Lieber Bastian, hab vielen Dank für das offene und spannende Gespräch; wir freuen uns, Deine Arbeit weiter zu verfolgen!


Am 16. Oktober eröffnet die Ausstellung Humpelfuchs in der Weserhalle.

Bastian Thiery, geboren 1990, studierte am International Center of Photography School (ICP), New York, und graduierte an der Ostkreuzschule für Fotografie, Berlin in der Klasse von Prof. Linn Schröder. Bastians Arbeiten wurden in verschiedenen nationalen Ausstellungen präsentiert und in nationalen und internationalen Zeitschriften veröffentlicht, unter anderem bei der 7. Triennale der Photographie, Hamburg, oder im Zeit Magazin.
Seine Arbeit Humpelfuchs gewann 2019 den 2. Preis des Vonovia Award für Fotografie.

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