Werkschau: Ute und Werner Mahler in der Kunsthalle Rostock

Aus der Serie Monalisen der Vorstädte, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ

Die große Werkschau von Ute und Werner Mahler wurde erstmals 2014 in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt. Nun gibt es in Rostock ein weiteres Mal Gelegenheit, einen umfassenden Einblick in die Arbeiten der beiden Fotografen zu erhalten. Wie kam es dazu, die Ausstellung nun nach Rostock zu holen, welche Arbeiten sind seither entstanden, und wie wurde die Phase des virtuellen Rundgangs während der Schließung aufgrund der Covid-19-Pandemie vom Publikum angenommen?

Die Hamburger Ausstellung verzeichnete großen Erfolg, brachte einen beeindruckenden Ausstellungskatalog (Kehrer Verlag) hervor und wurde über fünf Wochen verlängert. OKS-lab berichtete seinerzeit. 

Die 502 Fotografien, die in den Deichtorhallen gezeigt wurden, haben die Kurator*innen der Werkschau, Ingo Taubhorn und Brigitte Woischnik, eigens für die Rostocker Kunsthalle neu kuratiert. Sie passten die Auswahl nicht nur den Räumlichkeiten, sondern auch inhaltlich dem neuen Ort an. „Die Rostocker fühlen sich in den Bildern zu Hause“, so heißt es von den Verantwortlichen des Museums, daher brauchte es an einigen Stellen vielleicht weniger Erklärung. Die Arbeiten für das Magazin Sibylle beispielsweise wurden umgestellt und reduziert, da das Heft in der ehemaligen DDR bekannt und legendär war. 2016 gab es zudem eine große Sibylle-Ausstellung in der Kunsthalle, in der bedeutende Fotograf*innen wie Sibylle Bergemann, Arno Fischer und auch Ute und Werner Mahler vertreten waren. 

Auch ist eine neue, gemeinsame Arbeit dazu gekommen: Die Serie Kleinstadt erweitert das Programm. Drei Jahre lang, von 2015 bis 2018, sind Ute und Werner Mahler in deutsche Provinzen gefahren, um den Geist der Vorstädte einzufangen: „Wer ist hier, wenn ich nicht da bin, und warum?“
Leere, langsamer Verfall, aber auch Menschen, vor allem Jugendliche, sieht man auf den Bildern. Auf diese fokussierten sie sich im Laufe des Projekts, da schnell klar wurde, dass von diesen Menschen die Zukunft dieser Kleinstädte abhängt. 43 Fotografien gingen als Schenkung an die Kunsthalle, sind nun fester Bestandteil der Sammlung, und bilden den Abschluss der Ausstellung. Das Museum ist darüber besonders glücklich, da gerade die Besucher*innen aus dem Umland in den Bildern viel Heimat entdecken.

Aus der Serie Kleinstadt, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Kleinstadt, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Kleinstadt, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ

30 Jahre lang erschufen beide für sich ein eigenständiges Werk, wenngleich sie sich für größere Projekte auch begleiteten und gegenseitig assistierten. Seit 2009 jedoch arbeitet das Paar auch unter einer Autorenschaft zusammen. Die erste gemeinsame Serie, die Monalisen der Vorstädte waren es, die die Kurator*innen der Schau dazu bewegten, an einer Zwischenbilanz der Werke zu arbeiten. Der Rostocker Rundgang beginnt mit diesen gemeinsamen, neueren Serien: Die seltsamen TageWo die Welt zu Ende war, Monalisen der Vorstädte.

Aus der Serie Wo die Welt zu Ende war, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Monalisen der Vorstädte, Foto: Ute und Werner Mahler / OSTKREUZ

In Rostock sind außerdem ca. 400 weitere Fotografien zu sehen. Serien und Werkgruppen aus fünf Jahrzehnten Schaffenszeit: Ute Mahlers Diplomarbeit von 1973/1974, eine Reportage über den Zirkus Hein, die erstmals für die Deichtorhallen aus dem Archiv geholt wurde, sowie Werner Mahlers erster Arbeit Bergbau von 1975. Weiter die Serien ZusammenlebenBerka, Die Abiturienten, Ibrahim Böhme, Bomber, Obdachlose, Frauengefängnis, die Arbeiten für Sibylle sowie zahlreiche Portraits, Landschaften und mehr.

Aus der Serie Berka, Foto: Werner Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Zusammenleben, Foto: Ute Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Zirkus Hein, Foto: Ute Mahler / OSTKREUZ
Aus Sibylle, Foto: Ute Mahler / OSTKREUZ
Ibrahim Böhme, Foto: Ute Mahler / OSTKREUZ
Angela Merkel, Foto: Ute Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Landschaft 1, Foto: Werner Mahler / OSTKREUZ
Aus der Serie Obdachlose, Foto: Werner Mahler / OSTKREUZ

Bald nach der Eröffnung im Januar 2020 musste das Haus wegen Covid-19 für einige Wochen schließen, ein virtueller Rundgang entstand. „Diese Möglichkeit ist gut vom Publikum angenommen worden“, über 1000 Besucher*innen gab es in den ersten zwei Wochen. Es ist jedoch eine eher technische Erfahrung, die dem emotionalen Werk der beiden nur schwer gerecht werden kann. Am Ende aber tröstlicher als gar keine Mahlers. Eingebettet im Rundgang ist ein Künstlergespräch zwischen den Fotograf*innen und Kurator*innen. Man verzeiht die schlechte Tonqualität zu Beginn schnell, da großartige Sätze fallen, wie diese von Werner Mahler: „Wissen Sie, Biographien sind ja manchmal so ganz ganz simpel zu erklären. Da lernt man jemanden kennen, und lieben, und dann sagt derjenige: ,Ach Mensch, willste nicht eigentlich auch Fotograf werden?’“ So entstanden die bedeutenden Œuvres zweier deutscher Fotograf*innen.

Biographie

Ute Mahler (*1949) und Werner Mahler (*1950), Mitbegründer*in der Agentur Ostkreuz.

Ute und Werner Mahler wurden in den 1970er Jahren in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ausgebildet. Namhafte Lehrer*innen wie Prof. Arno Fischer oder Prof. Evelyn Richter lehrten zu dieser Zeit an der Kunsthochschule, hier entstand eine Elite der Fotografie im Osten Deutschlands. Sie besuchten schon das gleiche Gymnasium, wurden aber erst ein paar Jahre später ein Paar.

Gemeinsam, und jede*r für sich, erarbeiteten sie sich ein hoch gelobtes und viel beachtetes fotografisches Œuvre und wurden für Ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet.
Von 2000 bis 2015 war Ute Mahler Professorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, Werner Mahler gründete mit Thomas Sandberg die Ostkreuz Schule für Fotografie in Berlin Weißensee. Sie leben in Lehnitz bei Berlin.

Weitere Informationen zu der Ausstellung gibt es auf der Webseite der Kunsthalle Rostock
Die Ausstellung ist seit dem 16. März wieder geöffnet, und bis zum 16. August 2020 verlängert.
Öffnungszeiten: Dienstags – Sonntags 11 – 18 Uhr

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