Nahaufnahme: Caroline Heinecke

In der Rubrik Nahaufnahme sprechen Fotograf*innen und Dozent*innen der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) über Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen. Die Fotografin Caroline Heinecke fotografiert Dinge auf ganz besondere Art. Dabei muss sie manchmal äußerst behutsam vorgehen.

Foto: Caroline Heinecke, aus der Serie "Herr der Dinge": Streichholz mit verlorenem Kopf
Streichholz mit verlorenem Kopf aus der Serie Herr der Dinge, Foto: Caroline Heinecke

Dieses Bild zeigt ein Streichholz aus der Sammlung der kranken Streichhölzer von Frieder Butzmann. Es ist todkrank und gehört der Gattung der „Kopflosen“ an. Dieses unbrauchbare Zündholz erregt nicht nur das Mitleid des Sammlers, sondern hat auch mich zutiefst berührt, als ich es das erste mal sah. Während ich es fotografierte, musste ich dementsprechend behutsam mit ihm umgehen und nutzte eine Pinzette, um den Kopf an geeigneter Stelle zu platzieren.

Neben dem kopflosen Streichholz, welches sich als „Blaue Mauritius“ der Sammlung erweist, gibt es außerdem noch die krummen, die spaltköpfigen, die verhungerten, die siamesischen und die mit Hautkrankheiten. Die Motivation zu seiner Sammlung entstand bei Frieder Butzmann aus dem Grund, einfach auch mal etwas zu sammeln. Wer immer von seinem Konvolut gehört hat, fischt gewöhnlich schon bei der nächsten Berührung mit einer Streichholzschachtel ein geeignetes Objekt für ihn heraus.

Für meine Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule widme ich mich seit einem Jahr kuriosen Sammlungen, solchen, deren Motiv vielleicht nicht offensichtlich ist und auf dem ersten Blick womöglich etwas entrückt oder skurril erscheint. Gleich am Anfang meiner Recherche stieß ich auf die kranken Streichhölzer von Frieder, der auch noch zufällig als Musiker in meiner Schallplattensammlung vertreten war. Umso mehr hatte ich mich gefreut, dass ich Ihn persönlich kennenlernen durfte und er Teil meiner Arbeit sein wird.

Caroline Heinecke arbeitet als Still Life und Food Fotografin sowohl an persönlichen künstlerischen Projekten, wie auch im Auftrag für Zeitschriften und Institutionen. Mit einer durchdachten Kombination von Bildaufbau, Farben und Licht konstruiert sie visuell aufregende Bilder, die gleichzeitig reduziert und voll Spannung sind. Alltägliches wird in ihren Fotos kurios, nüchterne Kompositionen erweckt sie durch plakative Farben und dramatisches Licht zum Leben. Seit 2018 fotografiert Caroline Heinecke ihre Serie „Herr der Dinge“ über kuriose Sammlungen. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Caroline Heinecke, geboren 1986 in Nordhausen, absolvierte 2012 ihren BA of Arts in Design an der Hochschule Dessau und studiert 2020 im Abschlussjahrgang der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin.

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