Nahaufnahme: Émilie Delugeau

In der Rubrik Nahaufnahme sprechen Fotografen/-innen und Dozenten/-innen der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) über Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen. Diesmal haben wir die Fotografin Émilie Delugeau darum gebeten, uns einen Einblick in die Entstehung ihres Fotos zu geben.

Ohne Titel, Foto: Émilie Delugeau

Der Mann auf dem Bild ist Lulu, ein enger Freund von mir. Er hat lange für die Band Bonaparte als Tänzer gearbeitet. Als ich ihn kennenlernte, erzählte er mir, dass er als Stripper in einer Rockband arbeitete. Ich fand es eine sehr bemerkenswerte Art, sich selbst zu präsentieren. Seitdem haben wir viel zusammen gearbeitet. Irgendwann lud er mich ein, ein paar Tage bei seinen Eltern im Jura, in Frankreich zu verbringen. Dort gibt es einen Wald mit viel Moos. Hier wollte ich Lulu porträtieren. Es war Frühling.

Das Bild ist nicht nur ein Porträt von Lulu, es ist auch ein Porträt vom Wald und von den magischen Dingen, die wir mit ihm verbinden: Träume, Kühle, Ruhe. Die Fotografie ist für mich ein melancholisches Werkzeug, das es mir ermöglicht, Menschen und Orte zusammenkommen zu lassen und diese Begegnung zu fixieren.

Im Leben geht es sehr häufig um Begegnung. Begegnung ist Spannung – Spannung zwischen Fotografin und Modell, aber auch zwischen Eros und den Dingen. Meine Bilder entstehen im Raum dieser Spannung.

Émilie Delugeau ist 1979 in Parthenay, Frankreich, geboren.
Sie lebt und arbeitet in Berlin. Von 2002 bis 2005 studierte sie Fotografie an der École Nationale Supérieure de la Photographie in Arles, Frankreich. Von 2013 bis 2015 besuchte sie die Postgraduierten-Klasse an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin bei Ute Mahler und Robert Lyons.

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