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Shooting Day Weißensee „Ehrenamt in Pankow“

Ende September fand zum achten Mal der alljährliche Shooting Day Weißensee statt. OKS.lab zeigt in ausgewählten Arbeiten unterschiedliche Sichtweisen auf den facettenreichen Bezirk. Zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 05. Dezember präsentieren wir die Arbeit „Freiwillige“ von Fotograf Henry Schulz, die Robert Rausch als Bildredakteur betreut hat. Der Shooting Day Weißensee ist ein Kooperationsprojekt zwischen Fotografiestudent/-innen der Fachklasse und Student/-innen der Bildredaktionsklasse.

Frau Röhr berührt Frau Philipp, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Aus der Serie Freiwillige, Foto: Henry Schulz

Freiwilligenarbeit ist eine wichtige Stütze im Zusammenleben in Weissensee. Seit dem Mauerfall hat sich die Bevölkerung im Stadtteil stark verändert. Ehrenamtler*innen in sozialen Diensten stärken die zwischenmenschlichen Verbindungen und das Gemeinschaftsgefühl im Bezirk und erleichtern und verschönern ganz konkret das Leben zahlreicher Mitmenschen. Die FreiwilligenAgentur Pankow mit Sitz in der Berliner Allee in Weißensee vermittelt hilfsbereite Mitmenschen als Ehrenamtler*innen an verschiedene Träger im Stadtteil.

Für den Shooting Day begleitete der Fotograf Henry Schulz eine Ehrenamtlerin der Agentur bei einem ihrer Engagements.

Frau Röhr hält Frau Philipps Hand, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Frau Röhr, Frau Philipp, Frau Wagner, Frau Matzek beim Kaffeetrinken im Gemeindschaftsraum, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Frau Röhr hilft Frau Philipp aus der Jacke, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
links: Frau Röhr auf dem Weg zu Ihrer Freiwilligentätigkeit, rechts: Frau Röhr hält Frau Philipps Hand, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Frau Röhr, Frau Philipp, Frau Wagner, Frau Matzek, auf dem Weg in den Garten, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Frau Matzek bewundert Frau Röhrs Tuch, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Frau Röhr, Frau Philipp, Frau Wagner, Frau Matzek, Ehepaar Raschke im Garten, © Henry Schulz aus der Serie "Freiwillige"
Alle Bilder aus der Serie Freiwillige, Foto: Henry Schulz

Im Nachgang zum Shooting Day sprach Bildredakteur Robert Rausch mit Fotograf Henry Schulz über sein Vorgehen und seine Erfahrungen im Projekt.

Robert Rausch (RR): Lieber Henry, du hast das Thema sehr kurzfristig für eine Kollegin übernommen – vielen Dank nochmal dafür. Wie war es für dich, den Auftrag unter Zeitdruck zu bearbeiten?

Henry Schulz (HS): Ich empfand es weniger als Zeitdruck. In der Arbeit für Magazine müssen die Bilder teilweise wenige Stunden nach der Aufnahme schon fertig sein. Ich fand es eher sehr angenehm, einen genauen Zeitplan zu haben.

RR: Du hast erzählt, beim Shooting waren außer den Personen auf den Bildern noch Begleitpersonen der Einrichtung anwesend. Wie schaffst du es, in der Kürze der Zeit und der Konstellation mit so vielen Personen vor und hinter der Kamera, Bilder mit solch unbefangener Nähe herzustellen? Bereitest du dich irgendwie darauf vor, dass unerwartete Hindernisse auftauchen? Hast du eine mentale Trickkiste? Orientierst du dich an Vorbildern? Oder ist es einfach Übung und Erfahrung, in so einer Situation entspannt zu bleiben?

HS: Wenn ich einen Auftrag annehme, fokussiere ich mich auf die Aufgabe, mache sie zu meiner Aufgabe, identifiziere mich mit ihr. Dann strahle ich bei der Begegnung eine Freude und Begeisterung aus, die echt ist – eine gute Energie. Das ist mir sehr wichtig und ich glaube dran, dass ich dadurch manchmal Bilder machen kann, die ich sonst nicht machen könnte. Meine Erfahrung ist, dass Menschen dann gerne mitmachen, sich auch drauf einlassen und sich automatisch auf mich fokussieren. Mich in diesen Zustand zu versetzen, musste ich lernen. Dabei hilft mir die Arbeit für Magazine. Indem ich die schreibenden Kolleg/-innen beobachte, kann ich viel lernen. Durch Zuhören und Zuschauen hab ich nach und nach meinen eigenen Weg gefunden. So kann ich auf Personen zugehen, eine Verbindung aufbauen und vermitteln, dass es nicht nur ein Auftrag ist, sondern dass es mir wichtig ist, diese Bilder zu machen und dass ich wirklich Freude an den Projekten habe. Dadurch entsteht Nähe und Vertrauen.

RR: Wie hast du dich konkret auf diesen Shooting Day vorbereitet?

HS: Indem ich mich auf die Aufgabe einlasse entsteht oft von selbst eine Idee. Darauf aufbauend überlege ich mir einen losen Ablaufplan, den ich der tatsächlichen Situation laufend anpasse.

RR: Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit Bildredakteur/-innen wichtig, vor und nach dem Shooting?

HS: Entscheidend für mich ist, mir vorher darüber klar zu werden was genau gewünscht ist. Und dann schaue ich entsprechend, ob es passt oder nicht. Anschließend zuzulassen, dass andere Menschen Bilder anders bewerten und aussuchen als ich, musste ich auch erst lernen. Grundsätzlich gilt ja: schicke keine Bilder, die für dich selber nicht okay sind. Trotzdem würde ich immer wieder auch andere Bilder auswählen als die Redakteur/-innen. Ich musste lernen zuzulassen, dass andere Menschen andere Schwerpunkte setzen.

RR: Henry, vielen Dank für das Gespräch.

Henry Schulz studiert Fotografie an der OKS.
Robert Rausch ist Teilnehmer der Bildredaktionsklasse 2019/20.