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Shooting Day Weißensee „Friedhofsgärtner/-innen des Georgen-Parochial-Friedhofs III“

Am 2. Oktober 2019 fand zum achten Mal der alljährliche Shooting Day Weißensee statt. Im Zuge der achten Ausgabe werden dieses Mal ausgewählte Arbeiten als Einzelbeiträge auf dem Blog vorgestellt, um so unterschiedliche Sichtweisen auf diesen facettenreichen Bezirks zuzeigen. Den Anfang macht Max Korndörfers Tag mit den Friedhofsgärtner/-innen, welche eine neue und spannende Auseinandersetzungen mit dem Thema ermöglicht. Das Kooperationsprojekt zwischen Fotografiestudent/-innen des zweiten Jahres und der Bildredaktionsklasse nimmt mittlerweile einen festen Platz im Ausbildungsprogramm an der Ostkreuzschule für Fotografie (OKS) ein und bildet für beide Seiten einen professionellen Rahmen für spätere berufliche Alltagssituationen.

Max Korndörfer verbrachte einen böig stürmischen Freitag am Shooting Day mit den Friedhofsgärtner/-innen des Georgen-Parochial-Friedhofs III. Sein Briefing war:

„Toten- und Gedenkkultur sind fester Bestandteil einer Gesellschaft, deswegen eröffnet diese Reportage die Möglichkeit einer Studie unseres gesellschaftlichen Umgangs mit Tod und Vergänglichkeit. Gerade die ungewohnte Perspektive aus der Sicht des Gärtners, eines Menschen dessen Aufgabe das Erblühen und Wachstum ist, bietet hierzu die perfekte Gelegenheit. Zwischen Leichtigkeit des Seins und Grabesstille solltest du dieses Thema begreifen. Gib uns eine Idee der Arbeit eines Friedhofsgärtners, aber versuche auch uns einen Einblick in die Gefühlswelt einer kulturellen Instanz zu geben.“

Ergänzend zu seinen Bildern stellten wir ihm drei Fragen zu seinen Erfahrungen und Erlebnissen.

OKS-lab: Wie war es für dich, den Auftrag unter Zeitdruck zu erarbeiten? Gab es sonstige Herausforderungen für dich?

Max Korndörfer (MK): Da ich ein großes Zeitfenster hatte (ich stand um 6 Uhr früh am Friedhof) und der Auftrag recht klar umrissen war, konnte ich mich gut auf den Auftrag einlassen. Schwierig war, dass bis auf eine Mitarbeiterin die Friedhofsgärtner/-innen nicht wussten, dass ich sie tagsüber begleiten würde. Nach kurzer Erklärung stellte das aber kein Problem mehr dar, schwierig war eher, dass die fünf Gärtner/-innen über den recht großen Friedhof verstreut arbeiteten und ich sie oft suchen musste, da ich nicht wusste, wo und wie die einzelnen Leute arbeiten. Durch den regnerischen und dunklen Tag konnte ich auch nur begrenzt das natürliche Licht zur Bildgestaltung nutzen.

OKS-lab: Wie hast du dich auf den Shooting Day vorbereitet?

MK: Im Vorfeld besuchte ich den Friedhof einmal, um mir erst einmal einen groben Überblick zu verschaffen. Die Gärtner/-innen waren zu dem Zeitpunkt nicht anwesend. Mir war wichtig, das Thema nicht als nüchterne Bestandsaufnahme der Tätigkeiten der Gärtner/-innen zu verstehen. Deshalb wollte ich bewusst Symbolbilder, die etwas über Zeit und den Umgang mit Tod in unserer Kultur erzählen, mit den Aufgabenfeldern der Gärtner/-innen kontrastieren. Die Auflage, dass die Gärtner/-innen nicht erkannt werden wollten, schränkte mich etwas in der Bildgestaltung ein und mir war klar, dass ich entweder sehr ausschnitthaft, mit dem „verlorenen Profil” oder mit größerer Entfernung arbeiten würde. Da mir klar war, dass an dem Tag kein strahlender Sonnenschein zu erwarten war, wollte ich den Blitz einpacken. Habe ich dann allerdings doch vergessen.

OKS-lab: Was ist dir bei der Zusammenarbeit mit Bildredakteur/-innen wichtig, wenn du Aufträge wie solche des Shooting Days bekommst? Was nimmst du mit?

MK: In der Zusammenarbeit mit Bildredakteur/-innen ist mir Transparenz und ein klares Briefing wichtig, um abzustecken, was in etwa erwartet wird, aber mit der Möglichkeit, das Thema so frei wie möglich umzusetzen. Vom Shooting Day nehme ich mir mit, wie spannend und prozesshaft die freie Erarbeitung eines Themas in so kurzer Zeit sein kann.

Max Korndörfer, geboren 1991 in Plauen, entschied sich nach seinem Zivildienst in einer Förderschule für ein Studium der Heilpädagogik in Görlitz. Während der Studienzeit bildete sich ein gesteigertes Interesse am Visuellen heraus welches sich in der Fotografie wiederfand. Nach Studium und Arbeit als Heilpädagoge, folgte eine Reise durch Nepal wo er sich u.a. für eine NGO in Nepal pädagogisch wie auch fotografisch betätige. Zurückgekehrt, beschloss er eine intensivere Auseinandersetzung mit der Fotografie, weshalb er seit 2017 an der OKS studiert. Er arbeitet als freier Fotograf und Fotoassistent.

Betreuender Fotoredakteur: Till Rimmele

Wir danken allen Beteiligten und insbesondere der Friedhofsverwaltung, für die gelungene Zusammenarbeit!