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Nahaufnahme: Isabelle Ehmke

In der Rubrik Nahaufnahme sprechen Fotografen/-innen und Dozenten/-innen der Ostkreuzschule über Bilder, die ihnen besonders am Herzen liegen. Diesmal haben wir die Fotografin und Ostkreuz-Studentin Isabelle Ehmke gebeten, uns Einblick in die Entstehung eines ihrer Porträts zu geben.

Isabelle Ehmke Dion, Porträt
Dion in seiner Badewanne Foto: Isabelle Ehmke

Der Mann auf dem Bild heißt Dion. Wir haben uns in Kiel kennengelernt. Mein ehemaliger Mitbewohner begegnete ihm zufällig auf der Straße, von da an war er fast täglich zu Besuch in unserer WG. Durch den regelmäßigen Kontakt mit Dion habe ich Ihn näher kennengelernt und es entstand eine freundschaftliche Beziehung. Er ist 1963 in Südafrika geboren, mit 12 kam er nach Deutschland – aus dieser Zeit stammen viele seiner Erinnerungen. Dion arbeitet schon sein ganzes Leben als freischaffender Künstler. Er erzählte mir oft von seiner Heimat und dem Leben während der Apartheid. Durch diesen intensiven Austausch entstand mein Interesse ihn zu portraitieren. Im Rahmen des Langzeitprojektes meines zweiten Semesters habe ich Dion über einen längeren Zeitraum begleitet – so entstand die Serie die ich nach ihm benannt habe.
Das Foto habe ich im Januar 2019 bei einem der ersten Treffen in seiner eigenen Wohnung aufgenommen. Wichtig dabei war mir dokumentarisch, ohne jegliche Inszenierung zu fotografieren.
Begegnungen mit ihm bedeuten eine Mischung aus Realitätsflucht, schwelgen in vergangenen Zeiten und gleichzeitig eine Konfrontation mit der Gegenwart.
Durch den Besuch in seiner Wohnung und die Interaktion mit ihm, haben unsere Treffen an Ehrlichkeit gewonnen. Bei einem Autounfall, den er vor zwei Jahren hatte, wurde sein Arm so stark verletzt, dass die Ärzte ihn amputieren wollten – er weigerte sich. Wegen dieser Verletzung hat Dion extreme Schmerzen, die er mit Alkohol- und Drogenkonsum zu betäuben versucht. Auch auf dem Bild in der Badewanne steht er unter Drogen. Das damit zusammenhängende psychische wie physische Entblößen unterstreicht die besondere Bedeutung der Aufnahme für mich und meine Serie.
Ich besuche Dion weiterhin regelmässig, sein körperlicher Zustand verschlechtert sich zunehmend. So lange es möglich ist, möchte ich an der Serie weiterarbeiten.

Isabelle Ehmke ist 1995 in Eckernförde (Schleswig-Holstein) geboren. Zurzeit arbeitet sie als freischaffende Fotografin und studiert in der Fachklasse Maria Sewcz im dritten Semester an der Ostkreuzschule für Fotografie. Sie lebt und arbeitet in Kiel und Berlin.