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Arles 2018 – Unsere Entdeckungen

Die Eröffnungswoche von Les Rencontres de la Photographie ist ein beliebtes Ziel für viele professionelle Fotoliebhaber. Eine reiche Mischung aus Ausstellungen, Vorträgen und Auszeichnungen vor der sommerlichen Kulisse der Idylle, in der Van Gogh seine berühmtesten Gemälde malte. Ein Ort zum Inspirieren. Welche Werke sind uns aufgefallen? Die Bildredaktionsstudentin der Ostkreuzschule für Fotografie, Vanya Pieters, war anwesend bei der 49. Edition des Fotofestivals in Arles.

 

Olga Kravets, Maria Morina und Oksana Yushko, »Grozny Nine Cities«

© Grozny: Nine Cities

»Grozny Nine Cities« ist ein gemeinsames Projekt von Olga Kravets, Maria Morina und Oksana Yushko, das spezifische Aspekte von Grosnys Nachwirkungen untersucht, indem es sie als »Städte« in Grosny betrachtet. Das dokumentarische Projekt lüftet Schicht für Schicht den Schleier, um herauszufinden, was im komplexen Leben der tschetschenischen Hauptstadt wirklich vor sich geht. Unglaublich, dass dieser Ort durch russische Luft- und Artillerieangriffe vor weniger als einem Jahrzehnt eingeebnet wurde. Auf den ersten Blick fast nicht zu sehen, aber unter der Oberfläche des täglichen Lebens ist der Leidensweg immer noch sichtbar. Die neun Themen (oder neun Städte) des Projekts durchdringen die unaufhaltsamen Bemühungen der Tschetschenen auf der Suche nach ihrem eigenen Weg zum Glück. Im MONOPRIX, einem normalen Supermarkt, zeigen Pfeile auf dem Boden den Weg zu der umfangreichen Ausstellung. Spannend und mit vielen Ebenen wirft sie einen neuen Blick auf diese unterbelichtete Geschichte.

Paul Graham, »Whiteness of the Whale«

© Paul Graham, New Orleans, from the series A Shimmer of Possibility, 2003-2006. Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York; Carlier | Gebauer, Berlin; Anthony Reynolds Gallery, London

Paul Graham ist ein gefeierter Geschichtenerzähler, wie er während seiner Ausstellung »The Whiteness of the Whale« in Arles beweist. Als amerikanisches Epos des Kleinen und Beiläufigen entfalten sich Grahams Fotosequenzen über Zeit- und Ortslücken und deren Verflechtung von Erzählfäden. »The Whiteness of the Whale« vereint drei Werke, die zwischen 1998 und 2011 in den Vereinigten Staaten entstanden sind: »American Night« (1998-2002), »A Shimmer of Possibility« (2004-06) und »The Present (2009-11)«. »American Night« zeichnet Grahams erste Eindrücke von diesem Land und seinen sozioökonomischen Spaltungen auf. Eine ältere Entdeckung, die nie langweilt.

 

Paulien Oltheten, »La Défense, The Venturing Gaze«  
Gewinner New Discovery Award 2018

© Paulien Oltheten, Seating arrangement 1, La Défense 2017
Courtesy of the artist and gallery Les Filles du Calvaire

Paulien Olthetens Fotos, Performances und Videos erforschen das Gemeinsame und Außergewöhnliche am menschlichen Verhalten im öffentlichen Raum. Sie geht zu Parks, Plätzen und Straßen großer Städte, um dort einzigartige Aktivitäten, sich wiederholende Gesten, seltsame Objekte oder Designelemente zu finden. Dann verbindet sie diese Ereignisse, indem sie aus Worten, Standbildern und bewegten Bildern eine Erzählung formalisiert. Übergreifende Fiktion und Dokumentation, gefundene Objekte und Charaktere werden mit einer ordentlichen Portion Humor inszeniert, um die Zusammenhänge zwischen den Dingen und dem menschlichen Verhalten aufzudecken. Eine Überraschung neben den oft sehr gestylten Arbeiten in Arles, Oltheten zeigt auf spielerische Weise ihr starkes Erzähltalent.