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Ausstellungsankündigung »Jin – Jiyan – Azadi« Women, Life, Freedom

Die Fotografin Sonja Hamad reiste 2015 und 2016 in das Sindschar-Gebirge und nach Nord-Syrien, um dort den Alltag kurdischer Kämpferinnen zu porträtieren. Ihre daraus entstandene Arbeit ist derzeit in der Galerie Karin Sachs in München zu sehen.

2014 nahm der sogenannte Islamische Staat Sindschar ein und die Bilder, der in die Berge flüchtenden Jesiden gingen um die ganze Welt. Die zurückgebliebenen Männer wurden getötet und hunderte Frauen wurden vom IS gefangen genommen und verschleppt. Sie wurden vergewaltigt, verkauft und als Sex-Sklavinnen gehalten. Im November 2015 konnte Sindschar von PKK und YPG Kämpfern zurückerobert und vom IS befreit werden. Unter ihnen nahmen auch – oder gerade deswegen – zahlreiche Frauen den Kampf gegen den IS auf.

Ungefähr ein Drittel aller kurdischen Kämpfer in Syrien und dem Nord-Irak sind Frauen. Tapfer und entschlossen verteidigen sie ihre Heimat, ihre Identität und ihr Leben gegen den IS. Doch geht es dabei nicht nur um den Kampf gegen den IS, sondern auch darum, sich aus patriarchalischen Frauenbildern zu befreien.

Im März und September 2015 sowie im November 2016 reiste die Fotografin Sonja Hamad nach Syrien und in den Nord-Irak, um diese kurdischen Kämpferinnen zu porträtieren. Sie gibt einen sensiblen und seltenen Einblick in den Alltag der jungen Frauen.

Gulan, 19, Zerya, 18, und Zilan, 17 Jahre (von links nach rechts). Sinjar, Iraqi Kurdistan

„Wenn sich eine Frau dem Widerstand anschließt, legt sie ihren alten Namen ab und wählt sich in einem ersten Akt der Selbstbestimmung einen neuen aus. Sie wird zur »Heval« – zur Freundin der anderen. Die Frauenbewegung ist tief in der Ideologie der PKK verankert, demnach kann ein Land nicht frei sein, wenn es die Frauen nicht sind. In ihren Heimatstädten werden die Kämpferinnen als Heldinnen gefeiert. Sie verweigern sich der traditionellen patriarchalen Frauenrolle, da sie sich nicht im Haus einsperren lassen, um die Ehre ihrer Familie zu repräsentieren.“

Gemeinsam halten die Frauen an diesem Traum fest – sie leben und leiden gemeinsam. Manchmal singen sie nachts kurdische Lieder, während die Bomben neben ihnen einschlagen.

„Nachts fallen Bomben, man spürt die Detonationen, niemand schläft, doch am nächsten Tag geht der Kampf weiter. Wenn eine von ihnen stirbt, wird nur einen Tag lang getrauert. Die Kameradinnen schießen mit ihren Kalaschnikows in die Luft, um sie zu ehren, auf einem kargen Friedhof, auf dem nur Plastikblumen blühen. Die Gefahren und die Verluste sind real, aber es bleibt keine Zeit, sie zu verarbeiten. Wenn die Kämpferinnen Angst haben, singen sie diese weg. Und auch wenn sie um eine gefallene Kameradin trauern, singen sie. Es sind diese Momente, die zerbrechlich und schön sind. Momente, in denen Brutalität auf Poesie trifft. Schuss und Gegenschuss, nicht als kriegerische Handlungen verstanden, die das Leben der Kämpferinnen so oft bestimmen, sondern als fotografische Perspektiven.“

Dicle, 23 Jahre alt. Hasaka, Rohjava, Nord-Syrien

Auch das gemeinsame Essen vor den Kämpfen ist für die Frauen wichtig – ist es oftmals die letzte und unmittelbarste Erinnerung, die sie an gefallene Kameradinnen haben. In all diesem schrecklichen Chaos versuchen die Kämpferinnen sich ein klein wenig Platz für Geborgenheit zu schaffen.

Die starke Intimität und Verbundenheit der Frauen kann man in den Fotografien von Sonja Hamad spüren. Sie zeigen auf, wie stark der menschliche Wille ist, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Sie geben Hoffnung auf eine neu erschaffene und gerechtere Ordnung, in der Frauen mit den gleichen Freiheiten und Rechten angesehen werden wie Männer.

Eine der Kämpferinnen, die sich auch Töchter der Berge nennen, erzählte Sonja Hamad, dass der eigentliche Kampf erst dann beginne, wenn der Krieg gegen IS gewonnen ist.

Kurdish spring. Romelan, Rojava – Nord-Syrien

 

Die Arbeit »Jin – Jiyan – Azadi« Women, Life, Freedom ist vom 24. Juni bis 22. Juli 2017 als Einzelausstellung in der Galerie Karin Sachs in München, zu sehen.

GALERIE KARIN SACHS
Augustenstrasse 48
D-80333 München

Öffnungszeiten:
Mitwoch – Freitag: 13.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 13:00 – 16:00 Uhr

Sonja Hamad wurde 1986 in Damaskus geboren und kam im Alter von drei Jahren nach Deutschland. Für ihre Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule für Fotografie im Jahr 2013 porträtierte sie Menschen auf der Suche nach Spuren ihrer Identität zwischen Fremdheit und Zugehörigkeit. Die kulturelle Identität verstand Sonja Hamad in diesem Teil ihrer Arbeit nicht als primär politisches, sondern als ein persönliches, emotionales, intimes Thema. Mit der aktuellen Arbeit über die kurdischen Kämpferinnen kommt der politische Aspekt hinzu.