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o.T. – Seminar Thomas Meyer: Vernissage

In der Ausstellung „o.T.“ präsentierten die Seminaristen/-innen des Ostkreuz-Fotografen Thomas Meyer ihre Arbeiten. Wir haben sie am Tag ihrer Vernissage besucht und nachgeforscht, wie es ihnen bei ihrer Themenfindung und deren Umsetzung ergangen ist.

Zwölf Fotografen/-innen aus fünf Ländern bearbeiteten mit den Mitteln der Landschafts- und Architekturfotografie, der Reportage, der Langzeitdokumentation, des Porträts und der Inszenierung frei von ihnen gewählte Themen. Die Fotografen/-innen gingen in ihren Langzeitprojekten Themen nach, die sie ganz persönlich berührten und nicht mehr losließen. Das Spektrum der gezeigten Arbeiten umfasst dabei so unterschiedliche Bereiche wie auch Herangehensweisen und jeder Fotograf/-in erzählt eine ganz eigene Geschichte. Geschichten, die von Themen handeln wie den architektonischen Überresten der untergegangen DDR, dem Verlust der eigenen Identität, dem Alltag einer muslimischen Familie in Halle und Leipzig oder dem deutschen Wald. Vier dieser Geschichten haben wir genauer beleuchtet.

Impression der Vernissage, Foto: Miriam Klingl

In ihrer Arbeit Das verschwundene Land zeigt die Fotografin Leila Danerol die noch sichtbaren Überreste der Deutschen Demokratischen Republik. Leila Danerol wuchs in Frankreich auf und hat das geteilte Deutschland selbst nie miterlebt – fasziniert jedoch von den Erzählungen und der Historie begab sie sich auf eine fotografische Spurensuche. Ihre Fotografien fertigte sie mit einer alten Kamera aus der UdSSR an und durch den Einsatz von 120mm schwarzweiß Filmen wirken diese wie aus der Zeit gefallen. Der Betrachter begibt sich mit der Fotografin auf eine Reise durch vergangene Zeiten. Eine verlassene Bahnstrecke nahe der Dreilinden, die zwischen Bäumen und Dickicht im „Nichts“ verschwindet – ein Detail von Füßen einer Karl Marx und Engels Statue, die verlassen und verloren wirkt: Gerne will man noch tiefer in Das verschwundene Land eintauchen.

Aus der Serie Das verschwundene Land, Foto: Leila Danerol

Aus der Serie Das verschwundene Land, Foto: Leila Danerol

Das verschwundene Land, Fotografin: Leila Danerol, Foto: Miriam Klingl

Ausgelöst durch die Erkrankung an Diabetes begann sich die Fotografin Jule Kühn in ihrer Serie Weisses Rauschen mit der Frage auseinanderzusetzen, was geschieht, wenn Geist und Körper aus dem Gleichgewicht geraten. Ihre Fotografien erzählen vom Verschwinden. Sie selbst beschreibt die Fotografie als therapeutischen Weg beim sich Wiederfinden. Vielen Betroffenen von physischen und psychischen Erkrankungen fehlt oft die Möglichkeit Leiden sprachlich auszudrücken. Jule Kühn hat durch das Medium Fotografie hierfür ihre eigene visuelle Sprache gefunden.

Aus der Serie Weisses Rauschen, Foto: Jule Kühn

Aus der Serie Weisses Rauschen, Foto: Jule Kühn

Weisses Rauschen, Fotografin: Jule Kühn, Foto: Miriam Klingl

Bewegt durch die Zuspitzung der Konflikte und Radikalisierung zum Thema Islam, begann Mehdi Bahmed, dessen Mutter Christin und dessen Vater Moslem ist, sich mit diesem Thema durch inszenierte Porträts auseinanderzusetzen. Seine Serie Entre – deux (Zwischenräume) zeigt Protagonisten/-innen, die in skurril wirkenden Szenen gefangen zu sein scheinen. Er selbst sagt über seine Arbeit, „Was mich bei diesem Projekt besonders interessiert, ist die innere Welt der Protagonisten. Durch den Fokus auf die Einzelschicksale möchte ich Einblicke in ihre Welt ermöglichen. Meine Bilder sind alle inszeniert. Die Inszenierung ermöglicht mir mehr Distanz zu schaffen und die Themen stärker zu reflektieren.“ Die Fotografien laden durch ihre stark cineastische Wirkung ein, über das Schicksal der Protagonisten nachzudenken und lassen Raum für Interpretation.

Aus der Serie Entre-deux (Zwischenräume), Fotograf: Mehdi Bahmed

Aus der Serie Entre-deux (Zwischenräume), Foto: Mehdi Bahmed

Der Fotograf Mehdi Bahmed im Gespräch, Foto: Miriam Klingl

„Bannwald“ ist der Titel der Serie von dem Fotografen Martin Hufnagel. Er fotografierte das Naheliegende, den Wald vor seiner Haustür im Südschwarzwald. Er selbst war fasziniert von der Herausforderung, einen Wald technisch interessant und spannend wiederzugeben – nicht nur als grüne Fläche darzustellen, sondern durch die Wahl des Ortes und der Perspektive Tiefe und Mehrschichtigkeit zu vermitteln.

Aus der Serie Bannwald, Foto: Martin Hufnagel

Aus der Serie Bannwald, Foto: Martin Hufnagel

 

Bannwald, Fotograf: Martin Hufnagel, Foto: Miriam Klingl

Die Ausstellung ist von Freitag, den 10. März bis Montag, den 13. März 2017 in den Räumlichkeiten des Kunstquartier Bethanien zu sehen. 

Mit Fotografien von André Groth, Annette Streicher, Boris Zange, Claude Hofer, Dmitry Povernov, Jule Kühn, Leila DanerolLinda Lobenstein, Martin Hufnagel, Mehdi Bahmed, Stefan Frank und Sven M. Gerhardt.

Thomas Meyer ist Mitglied der Agentur Ostkreuz und lehrt an der Ostkreuzschule für Fotografie.

Beitrag von Miriam Klingl und Lena Sikorski, Fotografien der Vernissage: Miriam Klingl