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Inside Photo Editing

Absolventen/-innen der Ostkreuzschule für Fotografie, die als Bildredakteur/-in bei einer Zeitung, einem Magazin, einer Bildagentur etc. arbeiten, geben einen Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Ein Gespräch mit: Anna Bianchi, Bildredakteurin bei der Agentur C3.

Foto: Dominic Dupont

An einem Abend im neuen Jahr trafen wir Anna Bianchi im Cafe Cinema in Berlin-Mitte.
Sie ist Absolventin der ersten Bildredaktionsklasse von Nadja Masri an der OKS und arbeitet seit drei Jahren bei der Content Marketing Agentur C3 in Berlin. Seit 2003 ist die Agentur auf 600 Mitarbeiter gewachsen und verfügt über Standorte in Berlin, München, Hamburg, Zürich und London. Wir wollten von Anna wissen, wie ihre Arbeit als Bildredakteurin im Umfeld einer großen Agentur aussieht.
In einem lebhaften und sympathischen Gespräch, gab uns Anna einen tiefen Einblick in ihren Arbeitsalltag und die Entwicklung auf dem Markt.

OKS: Bitte erzähle uns ein wenig über Dich. Was hast Du vor deiner Ausbildung zur BR an der OKS beruflich gemacht, welche Ausbildung/welches Studium?

Anna Bianchi: Ich habe Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Fotografie (MA) in Mailand studiert und im Kunstbereich in Italien gearbeitet. Der Kurs an der OKS war danach für mich eine Weiterbildung und gleichzeitig der Beginn meiner Zeit in Deutschland.

OKS: In welcher Hinsicht hat Dich Deine Biografie dazu bewogen, das Studium an der Ostkreuzschule zu machen?

Anna Bianchi: Ich hatte grundsätzlich vor, in Italien eine ähnliche Weiterbildung anzufangen. Das OKS-Angebot hatte ich gesehen, als ich für einen längeren Urlaub in Berlin war, und spontan entschlossen – wenn meine Bewerbung erfolgreich ist, bleibe ich. Na, und nach fast 7 Jahren bin ich jetzt nach wie vor hier!

OKS: Das ist doch ein gutes Zeichen! Hast du während der Ausbildung an der OKS gelernt, was du im Alltag als Bildredakteurin brauchst ?

Anna Bianchi: Ja – vor allem, im Team zu arbeiten, komplexe Projekte zu stemmen, und über Fotografie fundiert zu sprechen und zu argumentieren. Alles andere habe ich bei der Arbeit gelernt oder mir selbst beigebracht – gerade technische Dinge wie Photoshop, InDesign, usw. sind bei der Arbeit unverzichtbar.

OKS: Wie ging es nach Deinem Studium an der OKS für Dich weiter?

Anna Bianchi: Zunächst habe ich als freie Bildredakteurin gearbeitet. In dieser Zeit konnte ich neue Kontakte knüpfen und ausbauen. Das ist für unsere Arbeit extrem wichtig. Ich habe die Erfahrung gemacht, wie vielseitig der Beruf ist und dass man offen sein muss für vieles.

OKS: Du bist vom OKS Jahrgang 2011/12, gerade im Medienbereich sind die Entwicklungen schnell , hat sich in der Zeit fachlich viel geändert ?

Anna Bianchi: Definitiv! Bei C3 sehe ich, wie Arbeitsabläufe und Aufgabengebiete sich wandeln, und dass wir Bildredakteure fortlaufend dazulernen müssen, um unsere Kompetenzen auch unter dem Vorzeichen der Digitalisierung einbringen zu können und stark zu machen.

OKS: Da wären wir beim Stichwort „Multimedia“ und „Social Media“. In den Bereichen hat sich wahnsinnig viel getan. Wie geht man als Bildredakteurin damit um?

Anna Bianchi: Man muss neugierig bleiben: Der Beruf fordert viel mehr Kenntnisse als noch vor 10 Jahren, wenn man z.B. an Dinge denkt wie Bewegtbild, Augmented & Virtual Reality, Artificial Intelligence. Ich denke z.B. an Machina, das Eyeem Magazin, in dem die Bilder durch deren Bilderkennung-Algorithmus zusammengestellt wurden. Oder eben seit 10 Jahren das Thema Social Media.Eine neue Generation von Konsumenten erfordert das Interesse an neuen Technologien wie z.B. Snapchat. Das finde ich herausfordernd und spannend.

OKS: C3 ist eine große Agentur mit vielen unterschiedlichen Abteilungen. Wie sieht für dich ein Arbeitsalltag bei C3 aus ?

Anna Bianchi: Ich habe täglich im Büro mit verschiedenen Projekten in den Bereichen Online und Print und Leuten zu tun, und ab und zu bin ich auswärts auf Produktion. Ich unterstütze Redakteure und Artdirektoren mit Vorschlägen und Ideen: Ein Fotograf, der zu einer Geschichte gut passt, eine bestimmte Location, eine Fotostrecke oder eine Umsetzungsidee für ein Portrait.
Außerdem verantworte und organisiere ich Fotoproduktionen und betreue auch Shootings vor Ort. Hinzu kommt natürlich das Recherchieren von Themen bei Agenturen und anderen Quellen.

OKS: Das klingt sehr abwechslungsreich! Kannst Du Deine Kreativität im stressigen Alltag so umsetzen, wie Du es möchtest?

Anna Bianchi: Ich habe auf jeden Fall gelernt, auch in stressigen Situationen trotzdem kreativ zu denken und meine Ideen sinnvoll zu platzieren.

OKS: Welche Themen treiben Dich außerhalb Deines Jobs an? Kannst Du diese in Deine Arbeit einfließen lassen?

Anna Bianchi: Literatur, Gesellschaft und Politik – all das beeinflusst ja laufend das eigene Nachdenken, und fließt wie von selbst in die Arbeit mit ein. Meine Tätigkeit hat natürlich auch bei Content Marketing eine starke journalistische Komponente.

OKS: Bei einem Treffen der ehemaligen Bildredakteure an der OKS im Sommer 2016 hast Du gesagt, dass Du ein Forum/einen Zusammenschluss von Bildredakteuren sinnvoll fändest. Warum findest Du es wichtig, was soll Deiner Meinung nach bei so einem Zusammenschluss bewegt werden und im Mittelpunkt stehen?

Anna Bianchi: Ich fände ein offenes Netzwerk wie „GRIN“ in Italien gut. „GRIN“ ist eine Vereinigung von Bildredakteuren, die auch als eine Art von Gewerkschaft dienen soll. So etwas fände ich dringend nötig. Im Mittelpunkt sollte der Austausch stehen, auch im Hinblick auf die rasanten Veränderungen des Berufsbilds.

OKS:
Wir arbeiten weiter daran. Vielen Dank für das informative und nette Gespräch!