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„Shooting Day Weißensee“ 2016 – Teil II

Studierende der Fotografie und Bildredaktion an der Ostkreuzschule erarbeiten in einem gemeinsamen Projekt die Nahaufnahme eines Bezirks.

Anfang Oktober fand zum fünften Mal der alljährliche Shootingday Weißensee statt. Die unterschiedlichen Sichtweisen auf diesen facettenreichen Bezirkes ermöglichte auch diesmal das Entstehen neuer und spannender visueller Auseinandersetzungen. Rund um den Stadtteil wurden insgesamt 18 ganz unterschiedliche Fotoarbeiten realisiert. Das Kooperationsprojekt zwischen Fotografiestudenten/-innen des zweiten Jahres und der Klasse Bildredaktion nimmt mittlerweile einen festen Platz im Ausbildungsprogramm an der Ostkreuzschule für Fotografie ein und bildet für beide Seiten einen professionellen Rahmen für spätere berufliche Alltagssituationen.

Im Vorfeld recherchierten die Bildredakteure jeweils Themen, suchten Locations, setzen sich mit Ansprechpartner in Verbindung und holten Genehmigungen ein. Am Ende wird aus all diesen Informationen ein Briefing für den Fotografen erstellt. Das Briefing ist Grundlage für die praktische und persönliche Umsetzung und wird erst kurz vor dem Fototermin übermittelt. Inhaltliche und technische Vorgaben sowie die Einhaltung einer Deadline werden vorausgesetzt und stellen die Fotografiestudenten/innen vor eine Herausforderung, der sie auch im Berufsleben täglich begegnen werden. Improvisation und Konzentration sind gefragt, und die Fotografen angehalten, trotz Zeitdrucks immer wieder das Beste aus der Situation zu machen.

Dieses Jahr nahmen die Fotografie-Fachklassen von Ute Mahler und Sybille Fendt am Shootingday teil. Alle entstandenen Foto-Essay wurden nach dem Einreichen des Bildmaterials von den Bildredakteuren/-innen editiert. Als Resultat wurde in großer gemeinsamen Runde eine vielseitige Slideshow präsentiert. Einen wichtigen Punkt dabei nahm das persönliche Feedback ein.

Wir stellen als zweite Arbeit die Portraitserie von Radfahrern in Weißensee von Sebastian Wells vor. Begeistert hat uns die Idee, Portraits von den Leuten ohne ihr Fahrrad mit einem Stilleben zu kombinieren. Die Ausführung ist besonders gelungen und zeigt eine sehr einheitliche Fotoserie mit ganz unterschiedlichen Personen, die die Diversität dieses Stadtteils repräsentieren.

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Sebastian Wells zu seinen Erfahrungen während des Shooting Day Weißensee:

OKS-lab: Hat dieser Auftrag für dich eine Herausforderung dargestellt?

Der Auftrag war eine Herausforderung, weil ich selten Menschen einfach so auf der Straße anspreche, um zu fragen, ob ich sie fotografieren darf. Das Bewusstsein, abliefern zu müssen, hat mir allerdings bei der Überwindung geholfen. Dazu kommt, dass Fahrradfahrer meist ein Ziel haben und möglichst bald dort ankommen wollen, daher ist es vielleicht schwieriger, sie zu überzeugen fotografiert zu werden.

Hattest du dein Konzept schon im Kopf oder hat es sich erst entwickelt, als du schon unterwegs warst?                                                                                     

Das Konzept hatte ich mir schon vorher überlegt. Mir kamen überhaupt keine Ideen, wie ich auf der Straße ein gutes Portrait von einem Radfahrer zusammen mit seinem Fahrrad mache, ohne dass das Bild plakativ wirkt. Ich habe daher das Portrait mit einem Stilleben kombiniert.

Sind die Portraits deiner Meinung nach typisch für Weißensee und hätten in einem anderen Stadtteil ganz anders ausgesehen?                         

Ich war einen ganzen Tag unterwegs, der sicher nicht ausreicht, um ein typisches Bild Weißenseer Radfahrer anzufertigen. Allerdings ist mir sehr stark aufgefallen, dass das Fahrrad in Weißensee überwiegend ein Nutzfahrzeug ist und nur sehr selten ein modisches Accessoire. Außerdem habe ich in der ganzen Zeit keinen einzigen Rennradfahrer gesehen. Das ist in anderen Bezirken Berlins sicherlich etwas anderes. 

Hattest du bei diesem Auftrag das Gefühl unter Zeitdruck zu stehen?      

Ich habe am Abend vorher ganz rational kalkuliert, dass ich pro Stunde zumindest einen Radfahrer fotografieren müsste, um vor Sonnenuntergang fertig zu werden. Glücklicherweise habe ich mehr als ein Model pro Stunde gefunden und konnte am Ende auch noch ein paar schlechtere Portraits aussortieren.

http://www.sebastianwells.de

Alle Fotografen/-innen des „Shootingday“: Lars Bösch, Miguel Brusch, Claudias Bühler, Marie Capesius, Matthias Durynek, Agata Guevara, Martin Heiden, Jana Kiesser, Paul Kirchmeyr, Marco Leitermann, Maidje Meergans, Annemie Martin, Jana Nolle, Adrian Rheinländer, Tim Alexander Schmelzer, Laura Spes, Anna Szkoda, Sebastian Wells, Jasmin Wolff

Betreuende Bildredakteure/-innen: Annika Börm, Bernd Diekjobst, Anna Digovec, Cale Garrido, Anastasia Hermann, Elisabeth Jaletzke, Anje Kirsch, Claudia Konerding, Tobias Laukemper, Alba Morassutti, Uta Oettel, Waldemar Salesski, Miriam Zlobinski

Vielen Dank an Alle für die gelungene Zusammenarbeit!